Heimatschutz und Baugestaltung - eine Skizze

Überblickt man die AktivitĂ€ten der deutschen Heimatpflege und ihrer Vereine und Organisationen, so fĂ€llt auf, daß sie sich, im Unterschied zu verwandten Organisation etwa in der Schweiz oder in den Niederlanden, zu Fragen der Gestaltung neuer zeitgenössischer Architektur heute nur noch sehr selten Ă€ußert - und wenn, dann nur im Zusammenhang konkreter â€žĂŒbergeordneter" Probleme von StĂ€dtebau und Denkmalpflege. Allenfalls das traditionsreiche Wirken des Bayerischen Heimatbundes mit seinem Fachblatt „Der Bauberater" lĂ€ĂŸt noch erahnen, daß  wĂ€hrend der ersten HĂ€lfte unseres Jahrhunderts die zunĂ€chst „Heimatschutz" genannte Bewegung hierin durchaus ein zentrales, ja zuweilen ihr wichtigstes Aufgabenfeld gesehen hat. Warum dies heute nicht mehr so ist, erhellt ein Blick auf die Dreißiger und FĂŒnfziger Jahre, die fĂŒr die „Heimatschutzarchitektur" in Deutschland einen letzten Höhepunkt und das Ende ihres Einflusses auf das zeitgenössische Bauen bezeichnen. 

„Die Verunstaltung und SchĂ€digung der hervorragendsten Landschaftsbilder zu verhĂŒten, fĂŒr die Erhaltung der rheinischen Ortsbilder einzutreten und fĂŒr eine Weiterbildung der rheinischen Bauweise zu wirken" - so definierte der Rheinische Verein fĂŒr Denkmalpflege und Heimatschutz in § 2 (3) seiner GrĂŒndungssatzung 1906, was Paul Clemen ein Jahr spĂ€ter in seinem Aufsatz „Die ĂŒberlieferte heimische Bauweise und ihr Wert fĂŒr die heutige Architektur" so konkretisierte: „Anzustreben ist an Stelle der sklavischen und direkten Wiederholungen viel mehr eine freie kĂŒnstlerische Ausbildung und WeiterfĂŒhrung der in der heimischen Bauweise vergangener Jahrhunderte enthaltenen Gedanken, Motive und Keime und die Anpassung der Formen der Vergangenheit an unsere heutigen praktischen BedĂŒrfnisse." Der Heimatschutz reihte sich damit in die breite Front derer ein, die das Bauschaffen seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts als Niedergang auffaßten, gipfelnd in der aus ihrer Sicht „Talmiarchitektur" des Historismus, der ungeordneten Expansion der StĂ€dte sowie der Überformung bislang von der Modernisierung unberĂŒhrter Dörfer und Landschaften mit ungestalten Bauwerken. Innerhalb und außerhalb des Heimatschutzes war die Bandbreite des daraufhin positiv dem entgegen gestellten sehr breit, was nach dem Ersten Weltkrieg in einer immer stĂ€rkeren Auseinanderdifferenzierung der Reformer in verschiedene, zunehmend unversöhnlicher sich gebĂ€rende „Lager" mĂŒndete. Zuvor jedoch war es dem Heimatschutz erstaunlich schnell gelungen, den traditionalistischen Teil der Reformbewegung unter dem Banner des Heimatbegriffs einen gemeinsamen Nenner zu geben. Hier zeigte sich die vielseitige AttraktivitĂ€t des Heimatgedankens, mit dem um die Jahrhundertwende das verbreitete Unbehagen an einer als zu schnell und zu unkontrolliert empfundenen Modernisierung zum Ausdruck kam. FĂŒr weite Kreise des gebildeten und durch die seinerzeit populĂ€ren kulturpessimistischen Gedanken sowie Milieu- und Gestalttheorien hierfĂŒr sensibilisierten BĂŒrgertums war dies in der baulich gestalteten Umwelt unmittelbar erfahrbar. Nicht zufĂ€llig stand daher mit Paul Schultze-Naumburg zunĂ€chst einer der seinerzeit prominentesten und mit seinen „Kulturarbeiten" einflußreichsten Architekten an der Spitze des 1904 gegrĂŒndeten Deutschen Bundes Heimatschutz, der dann als Dachorganisation der regionalen Heimatvereine bis 1945, immer wieder neu angestoßen von seinem langjĂ€hrigen GeschĂ€ftsfĂŒhrer Werner Lindner (auch er Architekt ! ), eine architektonische Grundlagenarbeit betrieb, die ungezĂ€hlte Publikationen bis hin zu ausgefeilten Entwurfslehren ebenso umfaßte wie die Vorantreibung einer Bauberatung und  Baugesetzgebung in seinem Sinne. Das nicht gerade bescheiden anmutende Ziel war dabei eine „ganzheitliche" Erneuerung der allgemeinen Baukultur auf der Basis regionaler, handwerklicher und allgemeiner gestalterischer Traditionen und Konventionen, was im Verlauf der kommenden Jahrzehnte bemerkenswert vielgestaltige Ergebnisse zeitigte.

“Bergische Bauweise”: Entwurf von Peter Klotzbach fĂŒr eine Volksschule in Hilden.

So waren die AnfĂ€nge vor dem Ersten Weltkrieg zumeist noch stark regionalistisch geprĂ€gt; im Rheinland stechen die „Wiederbelebung" der an die PatrizierhĂ€user des 18. und 19. Jahrhunderts angelehnten „bergischen Bauweise" und des am einfachen BĂŒrger- bzw. Bauernhaus orientierten niederrheinischen Backsteinbaus hervor. Sie wichen unter dem Einfluß der sĂŒddeutschen Architekturschulen in den Zehner und vor allem Zwanziger Jahren dann aber einem neusachlich-neutralen Traditionalismus, der die Alltagsarchitektur der Weimarer Republik weit mehr prĂ€gte als dies das „Neue Bauen" der funktionalistischen Moderne selbst in seinen Hochburgen je vermochte. Wichtig war dabei, daß der Heimatgedanke zu einem solcherart selbstverstĂ€ndlichen Bestandteil traditionalistischen ArchitekturverstĂ€ndnisses wurde, daß er auch die einschneidende Krise und Orientierungslosigkeit des Heimatschutzes in der Weimarer Republik einschließlich des fast völligen Zusammenbruchs der Organisation der Bauberatung ĂŒberlebte.

Auch weite Teile der Alltagsarchitektur des Dritten Reiches, vor allem Wohnungsbauten, Schulen, Heimbauten, die meisten MilitĂ€rbauten und VerwaltungsgebĂ€ude blieben diesem Traditionalismus heimatschĂŒtzerischer PrĂ€gung, nun „landschaftsgebundenes Bauen" genannt und vielfach mit der zeittypischen volkstĂŒmlichen „BodenstĂ€ndigkeit" versehen, vorbehalten - allerdings auch nur diese, was den inzwischen neu erstarkten, staatlich geförderten und vereinnahmten Heimatschutz zunehmend irritierte, hatte der doch an den Nationalsozialismus gerade im Hinblick auf eine nunmehr wirklich durchgreifende Erneuerung des Bauwesens in seinem Sinne große Erwartungen geknĂŒpft. Je geringer vor allem nach Einsetzen der vorbereitenden Kriegswirtschaft 1936 sein Einfluß auf das durchaus heterogene Bauschaffen im Dritten Reich wurde, desto mehr verstĂ€rkte der Heimatschutz einerseits wieder seine diesbezĂŒgliche theoretische Programmarbeit, mit Vorlagenwerken, Schulungen, „Baufibeln" und anderem mehr, begleitet von einer bis zur Selbstaufgabe reichenden Anbiederung an die nationalsozialistischen Machthaber, desto mehr wuchs aber andererseits auch die durch die eigene wertkonservative und antizentralistische Grundhaltung bestĂ€rkte Distanz zum sich zunehmend technokratisch verhaltenden Regime.

 Die wechselvolle Geschichte des Heimatschutzes als „architektonische Interessenvereingung" war jedoch 1945 zu Ende.

Nachdem sich die Heimatvereine Anfang der FĂŒnfziger Jahre wiederbegrĂŒndet hatten, klammerten sie fortan bewußt Fragen zeitgenössischer Baugestaltung aus ihrer Arbeit fast völlig aus, nahmen in der eingangs angesprochenen Weise nur noch zu allgemeinen stĂ€dtebaulichen und speziellen denkmalpflegerischen Problemen Stellung. Es galt nun als nicht mehr opportun, von amtlicher oder auch nur halbamtlicher Seite allgemeine Ă€sthetische Vorschriften zu machen. Gegenteilige Versuche auch im Rheinland, wo Justinus Bendermacher immer wieder zumindest fĂŒr eine Baupflege nach westfĂ€lischem Vorbild eintrat, blieben im Ansatz, d.h. wie vor dem Krieg ĂŒblich an die Denkmalpflege gebunden, stecken. Dies kam auch im allgemeinen Baurecht zum Tragen, wurde doch die ganz wesentlich auf heimatschĂŒtzerischen Gedanken fußende „Baugestaltungsverordnung" von 1936, die fĂŒr alle Neubauten „anstĂ€ndige Baugesinnung", „werkgerechte Durchbildung" und EinfĂŒgung in die Umgebung vorgeschrieben hatte, durch das Bundesverwaltungsgericht 1955 de facto wieder auf die alte Gefahrenabwehrmaxime beschrĂ€nkt, wonach Gestaltungsvorschriften nur in besonders zu begrĂŒndenden EinzelfĂ€llen zulĂ€ssig waren.

Aber wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg bedurfte es der organisierten Heimatpflege gar nicht, um ein Fortleben nicht allein traditionalistischen, sondern sogar explizit auf den Heimatbegriff bezogenen Bauens zu ermöglichen. VordergrĂŒndig war das Konzept „Heimat" zwar als ernstzunehmender Bezugspunkt kulturellen Schaffens und gesellschaftlicher Entwicklung durch seine nationalsozialistische Dienstbarmachung und Überspitzung zur „Blut-und-Boden"-Propaganda auf Jahrzehnte hinaus desavouriert.  Doch wie in anderen Bereichen zeigte sich auch in der Architektur, daß unterhalb einer gewissen gesellschaftlich „akzeptierten", veröffentlichten Meinungs- und Diskussionsebene, die wie die architektonischen Fachzeitschriften und -bĂŒcher den Begriff geflissentlich vermied, „Heimat" nach wie vor geeignet war, bestimmte bauliche BedĂŒrfnisse und QualitĂ€ten zu artikulieren und zu begrĂŒnden. Schon die Zahl des unter diesen Vorzeichen Gebauten verbietet es, hier von einem vernachlĂ€ssigbaren bloßen „Nachleben" zu sprechen; vielmehr handelt es sich um ein eigenstĂ€ndiges PhĂ€nomen, das Einblick in die frĂŒhen Jahre des Wiederaufbaus und ihre Suche nach Leitbildern nach dem moralischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch 1945 gewĂ€hrt.

SelbstverstĂ€ndlich lebte diese Art der Architektur zunĂ€chst auch deshalb weiter, weil Architekten, freischaffende wie behördliche, nach dem Krieg so weiterbauten, wie sie es gelernt und bis dahin auch fĂŒr „richtig" befunden hatten. So naheliegend und verstĂ€ndlich dies ist, wird darin auch ein StĂŒck konservativer VergangenheitsbewĂ€ltigung deutlich: man fĂŒhrte ja lediglich weiter, was bereits vor 1933 vorhanden gewesen und vom Nationalsozialismus zwar ĂŒbernommen, aber nicht korrumpiert worden sei. Es habe sich vielmehr um ein „richtiges Bauen im falschen System" gehandelt, vom engeren Machtapparat und dessen als eigentlich nationalsozialistische Staatsarchitektur bezeichneten Monumentalklassizismus deutlich unterschieden. Mit dem heutigen Abstand betrachtet, war in dieser Interpretation mehr Wahres enthalten, als es die oft kolportierte, pauschale Etikettierung allen Bauens zwischen 1933 und 1945 als „nationalsozialistisch", dem die reine Lehre der (funktionalistischen) „Moderne" unbeschadet gegenĂŒber gestanden habe, glauben machen wollte; nur diente sie vielfach einer kritiklosen Apologie, die FragwĂŒrdiges der eigenen Haltung ĂŒberdeckte.

DĂŒsseldorf, stĂ€dtisches VerwaltungsgebĂ€ude Marktplatz (1993)

Überregional öffentlich diskutiert wurde diese KontinuitĂ€tsproblematik in, mißt man es an der SchĂ€rfe der Auseinandersetzung von Progressiven und Traditionalisten vor 1933, erstaunlich wenig FĂ€llen. Die  Heimatschutzarchitektur betraf in erster Linie der in der Forschung mittlerweile gut bekannte „DĂŒsseldorfer Architektenstreit" von 1952, war doch der Architekt Julius Schulte-Frohlinde, an dessen Berufung zum Leiter des DĂŒsseldorfer Hochbauamtes sich der Streit entzĂŒndete, in den Dreißiger Jahren dem BaubĂŒro der Deutschen Arbeitsfront vorgestanden und hatte dabei auf das Engste mit dem Deutschen Heimatbund an der Weiterentwicklung des „landschaftsgebundenen Bauens" zusammengearbeitet. Als SchĂŒler von Paul Bonatz ein prominenter Vertreter der „Stuttgarter Schule", vertrat Schulte-Frohlinde auch nach 1945 konsequent traditionalistische und auf den Heimatschutz bezogene Positionen, was in seinem Entwurf fĂŒr ein stĂ€dtisches VerwaltungsgebĂ€ude am DĂŒsseldorfer Marktplatz in Reinform zum Ausdruck kam. So heftig, wie der Streit kurze Zeit gefĂŒhrt wurde, so rasch und so ergebnislos wurde er beendet: Schulte-Frohlinde blieb bis zu seiner Pensionierung 1959 auf seinem neuen Posten und das GebĂ€ude wurde wie geplant errichtet und steht heute als das vielleicht prominenteste Zeugnis jener Richtung des Wiederaufbaus gut erhalten unter Denkmalschutz.

WipperfĂŒrth, Rathaus (1993)

Neben dem DĂŒsseldorfer Beispiel entstanden noch eine ganze Reihe weiterer öffentliche VerwaltungsgebĂ€ude und RathĂ€user in der Tradition der Heimatschutzarchitektur, so zum Beispiel der neue Spanische Bau in Köln, das Alte Rathaus in JĂŒlich, die RathĂ€user in WipperfĂŒrth, Rees und andere mehr, die sĂ€mtlich weit weniger Aufsehen erregten. Die Verwendung einer „ortstypischen", traditioneller Architektur angepaßten Formensprache war ja auch in der Tat bei dieser Bauaufgabe durchaus naheliegend, angesichts eines oftmals in zentraler Altstadtlage befindlichen Bauplatzes und dem mit ihr verbundenen Anspruch, so etwas wie „lokale IdentitĂ€t" gestalterisch darzustellen.

Wegberg, Echterstr., ehem. kath. Volksschule (1993)

Etwas weiter hergeholt mutet da schon die Integration des Heimatgedankens in den Schulbau an. Doch bereits in den Zwanziger Jahren hatte sich die Heimatbewegung mit an die Spitze jener pĂ€dagogischen Reformbewegung gesetzt, die die „wilhelminische Schulkaserne" mit zeitgemĂ€ĂŸeren Inhalten und Methoden ablösen wollte. Vor allem in der Volksschule sollte dabei an die Stelle „abstrakten Kathederwissens" die unmittelbare, vertraute und damit „faßbare" Lebensumwelt des Kindes, eben seine engere „Heimat", treten und Mittel- und Bezugspunkt der Lehrinhalte sein, und dies wollte nicht zuletzt auch in der Architektur des SchulgebĂ€udes zum Ausdruck gebracht sein: es sollte sich in den Ort einfĂŒgen, „kindgerecht", d.h. kleinteilig, hell und freundlich gestaltet sein, möglichst mit grĂŒner Umgebung und Möglichkeiten zum Freiluftunterricht (Schulgarten, Ortsrandlage), im Idealfall einem kleinen, (arche-)typischen Wohnhaus im GrĂŒnen nahekommend. Pestalozzis Gedanke von der „Schulwohnstube" stand hier eindeutig Pate. Auf die ein oder andere Weise bemĂŒhten sich die meisten Schulneubauten schon der Weimarer Republik, „funktionalistische" wie „traditionalistische", diesem Ideal möglichst nahe zu kommen, doch in der Regel zwangen knappes Geld, begrenzter Bauplatz oder andere SachzwĂ€nge zu Kompromissen. Auch das Dritte Reich orientierte sich formal (die Lehrinhalte waren natĂŒrlich ein anderes Thema) an diesen Maximen, jetzt aber ausschließlich in der traditionalistischen AusfĂŒhrung, und mehr als im zahlenmĂ€ĂŸig nicht sehr bedeutenden Schulbau im von der Funktion her vergleichbaren HJ-Heimbau.

Nach der traumatischen Erfahrung des Dritten Reiches, fĂŒr dessen Entstehen und MassenpopularitĂ€t auch immer wieder ein Versagen des bis dahin ĂŒblichen Schulunterrichts verantwortlich gemacht wurde, erlangte nach 1945 die Erziehung zum demokratischen StaatsbĂŒrger eine solche Bedeutung, daß der daraus resultierende Idealismus fĂŒr kurze Zeit ĂŒber finanzielle ZwĂ€nge siegte und der Schulbau vielleicht die qualitĂ€tvollste Bauaufgabe im deutschen Wiederaufbau ĂŒberhaupt werden konnte. Und wieder bot sich der Heimatbegriff als Bezugspunkt an und rĂŒckte vorĂŒbergehend noch einmal in den Mittelpunkt vor allem des Volksschulwesens; so formulierte das nordrhein-westfĂ€lische Kultusministerium 1955: „Als StĂ€tte der volkstĂŒmlichen Bildung und als Muttersprachschule ist die Volksschule Heimatschule. (...) Heimatbezogenheit muß Unterrichtsgrundsatz auf allen Stufen der Volksschule sein." Auf den zahlreichen Schulbautagungen und -ausstellungen der unmittelbaren Nachkriegszeit war das „landschaftsgebundene Bauen"  folglich immer prĂ€sent, zumal unter den beamteten Architekten, die dort anfangs noch die Mehrheit innehatten. Die fĂŒr Nordrhein-Westfalen maßgeblichen „Fredeburger Richtlinien" machten da keine Ausnahme, und so entstanden ab 1949 zunĂ€chst noch einmal eine FĂŒlle von Neubauten in diesem Sinne: sei es tatsĂ€chlich als Dorfschule, wie sie allenthalben, so in besonderer Dichte in den kleinen Eifelgemeinden des Kreises Schleiden, entstand, sei es als Pavillonsystem, mittels dessen grĂ¶ĂŸere Einheiten gebildet werden konnten, ohne die Grundform des kleinen Hauses fĂŒr die einzelnen Klassen aufzugeben. Doch so ansprechend und qualitĂ€tvoll viele dieser frĂŒhen Schulbauten waren, so sehr machten sich ihre vergleichsweise hohen Bau- und Unterhaltskosten bemerkbar. Hinzu kam der Erfolg des Wirtschaftswunders und der mit ihm identifizierten Werte Mitte der FĂŒnfziger Jahre, in dessen Zuge eine Architektur fĂŒr „die Jugend" leicht, transparent, „modern" sein mußte, „international", nicht heimattĂŒmelnd, „schwerelos", nicht bodenstĂ€ndig. PĂ€dagogische Inhalte Ă€nderten sich natĂŒrlich ebenfalls. Daß der Umschlag im Schulbau der FĂŒnfziger Jahre im monströsen Schulzentrum der Sechziger und Siebziger Jahre endete und schließlich einem Buch wie Hugo KĂŒkelhaus` „Unmenschliche Architektur" zum Anlaß gereichte, war sicher nicht zwangslĂ€ufig. Dennoch macht vielleicht keine andere Baugattung im Hinblick auf eine Geschichte der Architektur im 20. Jahrhundert so nachdenklich wie diese.

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