Viersen-Dülken, Dammstraße 55, Grundschule Dammstraße

Baujahr: 1951 (Turnhalle 1955, Erweiterung 1959) - Bauherr: Stadt Dülken - Architekt: Hermann Roloff (Köln) u. Stadtbauamt Dülken - Eintragung in die Denkmalliste: 05.05.1994

Die Schule an der Dammstraße in Dülken, 1951 als achtklassige evangelische Volksschule errichtet, zeigt wesentliche Merkmale der frühen Schulbauarchitektur in Deutschland nach den Zweiten Weltkrieg.

Seit 1572 gab es eine protestantische Gemeinde in Dülken, später mit Süchteln vereinigt und 1853 neu gegründet. Eine evangelische Privatschule wurde seit 1854 eingerichtet, der 1868 die evangelische Volksschule an der Bahnhofstraße folgte. 1955 wurde ebenfalls an der Dammstraße der evangelische Pauluskirchensaal errichtet.

Bei der von einer großen Grünfläche umgebenen Schule ist das Raumprogramm auf verschiedene Baukörper verteilt, die durch geschlossene oder überdachte Gänge miteinander verbunden sind. Einem zweigeschossigen Hauptgebäude sind zwei eingeschossige, parallel hintereinander gestaffelte Klassenpavillons und eine quer gelagerte, 1955 hinzugefügte Turnhalle beigeordnet. Einer der Pavillons wurde 1959 um etwa die Hälfte in angepassten Formen erweitert. Ebenso wie das Äußere zeigt sich auch die Innenausstattung weitgehend in einem gut erhaltenen OriginaIzustand (Klinkerplattenfußboden, halbhoch verkleidete Wandverplattung, hölzerne Türzargen und -blätter).

Nicht von ungefähr ruft die einheitliche Außenbaugestaltung mit glatt verputzten Mauern und schlichten Satteldächern den Eindruck jeweils separater, kleiner Häuser hervor. Dahinter steht die Absicht, mittels überschaubarer kleinteiliger Dimensionen und mit vertrauten Formen, die an Wohnhäuser erinnern sollen, eine “kindgerechte” Architektur zu schaffen. Vorgegeben war dieses Ziel seinerzeit durch “Richtlinien”, die 1949 auf einer Schulbautagung im sauerländischen Fredeburg formuliert worden waren und die dem frühen Nachkriegsschulbau in Nordrhein-Westfalen maßgeblich zu Grunde lagen.

Der Typus der hinter einem Hauptgebäude relativ streng - kettenartig - aufgereihten Klassenpavillons, naturnah oder integriert in eine gartenartige Freifläche (“Schule im Grünen”) und zudem einfach erweiterbar, wurde 1949/50 als musterhafte Umsetzung der Fredeburger Richtlinien entwickelt und von dem bekannten Architekten Alfons Leitl in Wegberg erstmals verwirklicht. Mit dieser und einigen wenigen anderen Beispielen ist die Schule an der Dammstraße in Dülken ein bezüglich Größe und Erhaltungszustand selten gewordenes Zeugnis der frühen, formal noch durchaus konservativen Richtung des Schulbaus der fünfziger Jahre.

Dr. Ing. habil. Hermann Roloff war ein bekannter Architekt und Landesplaner, mit einem Lehrauftrag an der RWTH Aachen und später im Bundeswohnungsbauministerium tätig. Anfang der 1950er Jahre war er u.a. mit der Gesamtplanung im Rheinischen Braunkohlengebiet Brühl / Hürth beauftragt. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist der Generalplan der neuen Gemeinde “Neu-Berrenrath”, nachdem das alte Dorf dem Tagebau hatte weichen müssen.

Die Schule an der Dammstaße ist bislang das einzige Schulgebäude der 1950er Jahren in Viersen, das unter Denkmalschutz steht.

 

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