Viersen, Klosterstraße 8, Gemeinschaftsgrundschule Stadtmitte (“Klosterschule”)

Baujahr: 1908/09 - Bauherr: Stadt Viersen - Architekt: Stadtbauamt, Eugen Frielingsdorf - Eintragung in die Denkmalliste: 31.05.2001

Die heutige Gemeinschaftsgrundschule Stadtmitte ist aus zwei ehemals getrennten Volksschulen entstanden: einer älteren für Mädchen an der ehem. Klosterstraße (1908/09) und einer etwas jüngeren für Jungen an der Körnerstraße (1913/14). Den Entwurf für beide Gebäude fertigte Stadtbaumeister Eugen Frielingsdorf.

Mit der nationalsozialistischen Schulreform 1939 wurden die beiden Schulen vorübergehend zusammengelegt. In den nur wenig kriegsbeschädigten Gebäuden konnte bereits im Sommer 1945 der Unterricht wieder aufgenommen werden. Nach der Aufteilung des Volksschulwesens in Grund- und Hauptschulen 1968 wurde im Gebäude Klosterstraße eine evangelische Grundschule, im Gebäude Körnerstraße eine katholische Grundschule eingerichtet. Nur vier Jahre später erfolgte die Zusammenlegung zur heutigen “Körnerschule”.

Das Gebäude an der Klosterstraße ist mit einer stattlichen, vergleichsweise aufwändig gestalteten Backstein-Putzfassade mit zwei Vollgeschossen (dazu Sockel- und Dachgeschoss) zum Schulhof hin ausgerichtet. Da die beiden Eingänge jeweils in den Schmalseiten angeordnet sind - der eine mit Freitreppe und ausschwingenden Wangenmauern zur Klosterstraße gerichtet, der andere von einem südlich angebauten Wandelgang aus zu erreichen - konnte die nach Westen gerichtete Hauptfassade ganz den Klassenfenstern vorbehalten bleiben. Entsprechend der Klassenzahl zu sieben Vierergruppen zusammengezogen, sind diese hochrechteckigen, im Erdgeschoss segmentbogig schließenden Fenster mit ihren charakteristischen Sprossenteilungen eines der prägenden Gestaltungsmerkmale der Fassade. Ein breiter Mittelrisalit wird von einem Zwerchhaus mit abschließendem Krüppelwalm überhöht.

Der zum Hof in korbbogigen Arkaden geöffnete Wandelgang verbindet das Hauptgebäude mit einem Abortgebäude. In seiner Rückwand ist ein Wandbrunnen integriert, der von einem Backstein-Korbbogen überfangen ist.

An beiden Eingängen sind die originalen zweiflügeligen Eingangstüren erhalten. Die innere Raumaufteilung wird durch einen seinerzeit modernen einhüftigen Grundriss definiert, bei dem die Klassenräume nur an einer Seite des Flurs aufgereiht sind, wodurch dieser direkt belichtet werden kann. Alte Rahmen-Füllungstüren mit durch Rauten und Kanneluren ornamentierten Zargen sind erhalten. Das Treppenhaus mit (z.T. verkleideten) Steinstufen wird geschmückt durch das originale Metallgeländer mit geometrischen Mustern, welche auch in der Fenstervergitterung des Sockelgeschosses und den Brüstungsgittern des Wandelganges auftreten. In allen Geschossen sind im Bereich der Treppe Trinkbrunnen auf den Fluren angeordnet. Einige alte Fenster sind in Treppenhaus und Flur erhalten, die Klassenfenster wurden bei der jüngsten Sanierung nach historischem Vorbild erneuert.

Der Architekt der Schule, Eugen Frielingsdorf (1869-1946), war von 1906 bis 1934 der erste Stadtbaurat in Viersen. Zuvor hatte er nach einem Studium an der renommierten Technischen Hochschule in Hannover ab 1902 im städtischen Hochbauamt in Köln gearbeitet, wo er bereits mit Schulbauten betraut gewesen war. Zahlreiche öffentliche Gebäude der seinerzeit stark wachsenden Stadt Viersen stammen aus seinem Büro, darunter neben der Festhalle auch weitere Schulbauten (Körnerstraße, Heimbachstraße, Regentenstraße).

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