Viersen, Klosterstraße 8, Gemeinschaftsgrundschule Stadtmitte (”Körnerschule”)

Baujahr: 1913/14 - Bauherr: Stadt Viersen - Architekt: Stadtbauamt, Eugen Frielingsdorf - Eintragung in die Denkmalliste: 31.05.2001

Das Schulgebäude an der ehem. Körnerstraße, heute Teil der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Stadtmitte, wurde 1913/14 als siebenklassige katholische Volksschule für Jungen errichtet. 1968/69 in eine katholische Grundschule umgewandelt, erfolgte in den siebziger Jahren die Zusammenlegung mit der benachbarten Klosterschule. Der Entwurf für beide Gebäude stammt von Stadtbaumeister Eugen Frielingsdorf.

Der über Sockel verputzte zweigeschossige Baukörper auf L-förmigem Grundriss ist im Gegensatz zur hoch aufragenden Klosterschule eher liegend gelagert und asymmetrisch gestaltet. Das linke Gebäudedrittel der zum Hof gerichteten Fassade ist besonders betont, da es den Eingang aufnimmt und dementsprechend von einem Dreiecksgiebel überfangen wird. Die Hauptansichtsseite ist ansonsten gegliedert durch die Vierergruppen der hochrechteckigen Klassenfenster mit geradem Sturz, deren einheitliches Format oberhalb des Eingangs zugunsten größerer Breite leicht variiert ist. Die Brüstungsfelder zwischen den Geschossen sind durch Rechtecke betont, ansonsten ist die Fassade bis auf den von einem gebrochenen Giebel überfangenen Eingang schmucklos. Kleine Dachgauben gliedern in regelmäßigen Abständen das Mansarddach.

Als zweite Ansichtsseite nimmt der kürzere, insgesamt sechs Fensterachsen breite Flügel am heutigen Willy-Brandt-Ring (mit Sattel- statt Mansarddach) die Wandgestaltung der Hofseite auf; auf einer geschlossenen Wandfläche im Obergeschoss ist eine Schmuckkartusche mit der Inschrift ERBAUT 1914 angebracht.

Der Eingang ist über wenigen Treppenstufen unter Rundbogen eingenischt. Durch die alte zweiflügelige hölzerne Eingangstür gelangt man in das Innere, welches wie im anderen Gebäude einhüftig angeordnet ist. Im Erdgeschoss befinden sich drei, im Obergeschoss vier Klassenzimmer; die heutige Aula mit teilweise offen liegendem Dachwerk im Mansard-Dachgeschoss ist im Entwurfsplan als Turnraum bezeichnet. Direkt neben dem Eingang sah der Entwurf im Erdgeschoss Lehrer- und Rektorzimmer vor. Das gegenüber dem Eingang gelegene Treppenhaus ähnelt dem der ehem. Klosterschule, mit gleichen Ornamenten im Metall-Brüstungsgeländer und schönem hölzernen Handlauf auf winkelförmigen Trägern mit Rosettenmotiv. Auch hier sind Rahmen-Füllungstüren und z.T. alte Fenster erhalten. Im Obergeschoss gibt es im Flur noch einen Trinkbrunnen.

Auf dem Schulhof ist dem Schulhaus ein kleines, heute etwas purifiziertes Abortgebäude beigestellt.

 Werner Mellen vergleicht in einem Aufsatz über Stadtbaumeister Frielingsdorf die beiden Schulgebäude wie folgt: ”Im architektonischen Ausdruck ist durchaus eine Entwicklung erkennbar (...), obwohl zwischen beiden Entwürfen nur etwa sechs Jahre liegen. Der achsiale Aufbau der Schule Klosterstraße wird an der Körnerstraße abgelöst von einer freieren Grundrißdisposition, der relativ reiche Fassadenschmuck mit leichten Anklängen von Jugendstilmotiven weicht zurückhaltenden Putzgliederungen in der Fassade der Körnerschule” (Heimatbuch des Kreises Viersen 1986, S.217f.).

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