Viersen, Krefelder Straße 125, Gemeinschaftsgrundschule Nord - Nebengebäude - (“Astrid-Lindgren-Schule”)

Baujahr: 1867 od. 1878; 1905 (seitl. Erweiterung); 1955 (rückwärt. Anbau) - Architekt: unbek. (1867/78); Franz Kreutzer (1905); Stadtbauamt, Pesch (1955)

In den Jahren zwischen 1850 und 1890 (mit Schwerpunkt 1860/70) gab es in der wachsenden Stadt Viersen ein ”Schulbauprogramm”, das die unzumutbar gewordenen Klassenstärken senken sollte. In die Reihe der damals errichteten Schulgebäude (u.a. Hoser, Rahser, Hamm, Diergardstraße, Wilhelmstraße) gehört auch die katholische Volksschule für Hülsdonk, die 1867 gegründet wurde; 1878 ist der Standort an der Krefelder Straße überliefert.

1905 erhielt das vorhandene Gebäude einen seitlichen Erweiterungsbau nach einem Entwurf des Architekten Franz Kreutzer, der kurz zuvor auch die Schule an der Gereonstraße entworfen hatte. Letzte wesentliche bauliche Veränderung war 1955 die Hinzufügung eines rückwärtigen Treppenhauses mit Pausenhalle.

Die drei Bauperioden sind im Außenbau deutlich abzulesen. Der breit gelagerte, zweigeschossige älteste Bauteil entwickelt sich traufständig zur Krefelder Straße, von dieser hinter einer Einfriedung und einem baumbestandenen Vorplatz abgerückt. Ihr Backsteinmauerwerk ist bis auf das Band der die Erdgeschossfenster überspannenden Rundbögen (am Eingang Segmentbogen) ohne Ornament. Einzig die Fenster (im Erdgeschoss rundbogig, darüber segmentbogig) gliedern die Fassade. Die zweiflügelige hölzerne Eingangstür hat ein gesprosstes Oberlicht.

Der rechte Gebäudeteil, heute Jugendheim, beinhaltete ursprünglich die Lehrer-/ Rektorenwohnung.

Den Erweiterungsbau von 1905 kennzeichnen außen vor allem die umlaufenden dünnen Werksteinbänder. Auch sind seine zwei Geschosse deutlich höher. Fünf Fensterachsen gliedern die Fassade, in der linken Achse ist der Eingang mit eingenischter zweiflügeliger Holztür und Oberlicht angeordnet. Die segmentbogigen Fenster haben eine charakteristische kleinteilige Gliederung. Im Inneren sind die Treppe aus der Bauzeit, unten mit Ziergeländer aus Metall, oben als einfache Holztreppe mit gedrechselten Geländerstäben ausgeführt, und alte Klassentüren erhalten.

Zwei originelle Bauteile sind nur von der Rückseite aus zu sehen: ein dreiseitig geschlossener, kapellenartig wirkender Vorbau mit Nebeneingang am Erweiterungsbau von 1905, der das ”Türmchen” genannt wird, sowie ein angesichts der untergeordneten Bauaufgabe bemerkenswert qualitätvoll gestalteter Anbau von 1955, mit Toiletten, einem Flugdach als Pausenunterstand und einem anschließenden Treppenhaus, dessen leicht geschwungene Treppe, schlanke Fenster und Blumenbrunnen mitsamt Fliesendekor den zeittypischen Stil der fünfziger Jahre widerspiegeln.

Als Schule der umliegenden Stadtbezirke (Hülsdonk, Robend) ist die Schule Krefelder Straße bedeutend für Viersen. Insbesondere der älteste Teil verkörpert zudem eine frühe, baulich noch recht einfach gehaltene Phase des Schulbaus; zusammen mit den gestalterisch anspruchsvolleren Gebäudeteilen von 1905 und 1955 ist hier exemplarisch Schulbaugeschichte in drei Zeitstufen ablesbar.

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