Dülken - Entlang der Theodor-Frings-Allee (2)

3. Nördliche Theodor-Frings-Allee
Nördlich und gegenüber des Rathausplatzes bildet die Theodor-Frings-Allee zwei gegensätzliche Bebauungsweisen aus: auf der stadtabgewandten Seite im Westen freistehende großbürgerliche Einzel- und Doppelwohnhäuser mit Vorgärten, überwiegend aus den 1880er Jahren, gegenüber an die Straße heran gebaut weitgehend geschlossene Zeilen von typischen „rheinischen Dreifensterhäusern“, d.h. zweigeschossigen traufständigen Reihenhäusern mit jeweils drei Fensterachsen, die zwischen 1890 und 1903 entstanden sind. Ausnahmen von dieser Bauform bilden hier nur das Eckgebäude Nr. 15 sowie die jüngeren Lückenschließungen in der Zeile gegenüber dem Rathausplatz. Die starke Raumwirkung der Alleebäume und die trotz des Niveauunterschieds aufgrund der nahen Zeitstellung ähnliche Gestaltung und Proportionierung (zweigeschossig, traufständig) schließen die beiden Straßenseiten zu einem dichten Ensemble zusammen.

Westliche Bebauung:

Theodor-Frings-Allee 2
Baujahr: 1889
Bauherr: Heinrich Fürwentsches
Entwurf: Heinrich Fürwentsches
Die etwa zeitgleichen, unmittelbar aneinandergebauten Gebäude Nr. 2 und 4 sind stilistisch zu einer Einheit zusammengefasst, die in der Straßenfassade insgesamt 8 Fensterachsen aufweist. Beide stehen gestalterisch noch in spätklassizistischer Tradition und sind durch Bänderung und Gesimse horizontal betont. Innen- und Dachgeschossausbau des als Wohnhaus Fischer-Fürwentsches, Besitzer der gleichnamigen Fabrik, bekannten Gebäudes stammen aus den 1920er/1930er-Jahren.

Theodor-Frings-Allee 4
Baujahr: 1888
Bauherr: Wwe. Seulen
Entwurf: nicht bekannt
Anders als bei Nr. 2 befindet sich der Hauseingang hier auf der Giebelseite und ist mit dem darüber liegenden, mit Schmuckwerk versehenen Fenster risalitartig vorgezogen. Die schlichte Grundausstattung des Hauses mit der alten Holztreppe, Stuckdecken, Türen mit Rahmen und Füllung sowie der farbige Bodenbelag in der Küche ist erhalten geblieben.

Theodor-Frings-Allee 6, ehem. Marienheim
Baujahr: 1908
Bauherr: Kath. Kirchengemeinde St. Cornelius
Entwurf: Heinrich Renard, Diözesanbaumeister (Köln), Bauleiter: M. Gorissen
Das ehemalige Mädchenheim mit Haushaltungsschule für alleinstehende Fabrikarbeiterinnen reiht sich trotz seiner größeren Proportionen und eher neusachlichen Gestaltung städtebaulich gut in seine Nachbarschaft ein. Wegen der erheblichen baulichen Veränderungen handelt es sich jedoch nicht um ein Baudenkmal.

Theodor-Frings-Allee 8
Baujahr: 1887
Bauherr: Julius Clemens, Kaufmann
Entwurf: Schreiterer & Schreiber (Köln)
Zweigeschossige Halbvilla mit Backstein-Putzfassade in Schmuckformen der Neurenaissance. Gebäudeecke und seitlicher Eingang sind durch Giebelrisalite betont. Das Innere ist mit prunkvollen Holzausbauten versehen und kann trotz geringfügiger Veränderung als vollständig erhalten bezeichnet werden. Im Souterrain ist noch die bautypische Lage der ehemaligen Küche mit den originalen Bodenfliesen ablesbar.
Emil Schreiterer (1852-1923) zählt zu den wichtigsten Privat-Baumeistern in Köln „zwischen Historismus und Moderne“. Seit 1882 in Köln ansässig, war er von 1884 bis 1891 mit Louis (Friedrich Ludwig) Schreiber (1850-1930) assoziiert, danach bis zu seinem Tode mit Bernhard Below. Die Villa in Dülken zählt somit zu den frühesten Bauten von Schreiterer, über den 1998 eine Dissertation erschien (Sabine Simon: Schreiterer & Below. Ein Kölner Architekturbüro zwischen Historismus und Moderne. Diss RWTH Aachen 1998).

Theodor-Frings-Allee 10
Baujahr: 1883
Bauherr: Dr. Eduard Jansen, Fabrikant
Entwurf: nicht bekannt
Zweigeschossige Halbvilla mit fein detaillierter, spätklassizistischer Putzfassade ähnlich der Villa Viersener Straße 62.
Dr. Eduard Jansen wurde am 6. Januar 1830 in Dülken geboren. Als Arzt praktizierte er zunächst in Waldniel, bevor er sich 1857 in Dülken niederließ. Im selben Jahr heiratete er eine Tochter von Mathias Bücklers (Gertrud Josefine). 1861 gab er seine Praxis auf und wurde Teilhaber seines Schwiegervaters, zunächst in der Zwirnerei und dann in der neu gegründeten Baumwollspinnerei Bücklers & Jansen, die 1866/68 auf dem Gelände einer alten Wachsbleiche im „Viefental“ angelegt wurde, nördlich des Wohnhauses von Bücklers, Venloer Straße 50. Nach dem Tod von Bücklers führte Jansen die Unternehmen alleine weiter und beteiligte sich noch an weiteren (z.B. an der Maschinenfabrik Burtscheidt, Unrici & Co). Auch er führte schließlich den Titel eines Geheimen Kommerzienrates und war längere Zeit Vorsitzender des Verbandes der Großindustriellen von Rheinland und Westfalen sowie Beigeordneter in seiner Heimatstadt. Am 25. Oktober 1898 ist er gestorben.

Theodor-Frings-Allee 12 u. 14
Baujahr: 1885
Bauherr: Verolimeulen
Entwurf: Jos. Gormanns
Relativ schlichtes Doppelhaus mit je vier Achsen, in Größe und Form vergleichbar Nr. 24/26. Seine zeittypische Fassadengliederung mit Bänderputz im Erdgeschoss, Brüstungsband und durch Verdachungen ausgezeichneten Obergeschossfenstern ist streng symmetrisch angelegt. Beide Hausteile sind im Inneren teilweise umgebaut, erhalten sind gleichwohl originale Holztreppen sowie Terrazzoböden.
Bis zur Errichtung des Neubaus Nr. 16 stand das Doppelhaus frei.

Theodor-Frings-Allee 18
siehe oben

Östliche Bebauung:

Die zweigeschossigen traufständigen Reihenhäuser, lediglich drei Fensterachsen breit, mit im Detail unterschiedlich gestalteten Putz- oder Backstein-Putzfassaden wurden von den Bauunternehmern Jos. Gormanns, Hoffmanns & Weyandt, Heinrich Fürwentsches und P.J. Adrians in folgenden Abschnitten errichtet:
1890: Nr.11, 13 (beide heute verändert, keine Baudenkmale)
1892: Nr. 17, 19 (heute verändert, kein Baudenkmal)
1895: Nr. 5, 7, 9
1897: Nr. 3
1900: Nr. 1a, 1b
1903: Nr. 27, 29
Als breiteres Eckhaus mit seitlich anschließendem, eingefriedeten Garten und vorderer Zwerchhausachse fällt nur das 1892 errichtete Backsteingebäude Nr. 15 typologisch aus der Reihe. Die jüngeren Gebäude Nr. 21-23, 25 und 31 schlossen in gestalterisch zwar eigenständiger, aber durchaus angemessener Weise in den 1930er und 1950er Jahren noch vorhandene Baulücken.
Im Inneren der Dreifenster-Häuser, eine im gesamten Rheinland in Stadterweiterungsgebieten typische Bauform, sind in der Regel noch die bestimmenden Elemente wie die charakteristische Grundrissteilung mit seitlichem Flur, originale Treppe, Bodenfliesen im Eingangsflur und zum Teil auch Stuckdecken und Türen erhalten.

Theodor-Frings-Allee 1a
Baujahr: 1900
Bauherr: Heinrich Fürwentsches
Entwurf: Heinrich Fürwentsches

Theodor-Frings-Allee 1b
Baujahr: 1900
Bauherr: Franz Leufkens
Entwurf: Heinrich Fürwentsches

Theodor-Frings-Allee 3
Baujahr: 1897
Bauherr: Hoffmanns & Weyandt
Entwurf: Hoffmanns & Weyandt

Theodor-Frings-Allee 5
Baujahr: 1895
Bauherr: Hoffmanns & Weyandt
Entwurf: Hoffmanns & Weyandt

Theodor-Frings-Allee 7
Baujahr: 1895
Bauherr: Hoffmanns & Weyandt
Entwurf: Hoffmanns & Weyandt

Theodor-Frings-Allee 9
Baujahr: 1895
Bauherr: Hoffmanns & Weyandt
Entwurf: Hoffmanns & Weyandt

Theodor-Frings-Allee 11
Baujahr: 1890
Bauherr: Jos. Gormanns
Entwurf: Jos. Gormanns
Kein Baudenkmal

Theodor-Frings-Allee 13
Baujahr: 1890
Bauherr: Jos. Gormanns
Entwurf: Jos. Gormanns
Kein Baudenkmal

Theodor-Frings-Allee 15
Baujahr: 1892
Bauherr: Jos. Gormanns
Entwurf: Jos. Gormanns

Theodor-Frings-Allee 17
Baujahr: 1892
Bauherr: Jos. Gormanns
Entwurf: Jos. Gormanns

Theodor-Frings-Allee 19
Baujahr: 1892
Bauherr: Jos. Gormanns
Entwurf: Jos. Gormanns
Kein Baudenkmal

Theodor-Frings-Allee 21-23
Baujahr: 1956
Bauherr: Dr. Heinz Becker
Entwurf: Hans Rangette
Kein Baudenkmal

Theodor-Frings-Allee 25
Baujahr: 1934
Bauherr: Gottfried Diris
Entwurf: Albert Rangette
Kein Baudenkmal

Theodor-Frings-Allee 27
Baujahr: 1903/04
Bauherr: Theodor Fürwentsches, Heinrich Müller
Entwurf: P.J. Adrians

Theodor-Frings-Allee 29
Baujahr: 1903/04
Bauherr: Theodor Fürwentsches, Heinrich Müller
Entwurf: P.J. Adrians

Theodor-Frings-Allee 31
Baujahr: 1955
Bauherr: Dr. Rudolph Schindler
Entwurf: Hans Rangette
Kein Baudenkmal

 

von oben nach unten: Theodor-Frings-Allee 3-15; Theodor-Frings-Allee 15; Theodor-Frings-Allee 8; Theodor-Frings-Allee 6, ehem. Marienheim (ca. 1934)

Texte: m. kieser, auf Grundlage der Denkmallisten-Texte von Unterer Denkmalbehörde Viersen und Rheinischem Amt für Denkmalpflege
Fotos: Fast schon historische Aufnahmen (ca. 1978) aus dem Denkmalarchiv des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege

zurück zur Programmübersicht Tag des offenen Denkmals 2002 in Viersen

 

Home

Kontakt