Bahnhofstraße - Rathaus, Wohnhäuser, Gaststätte

 

Zur Geschichte des Viersener Rathauses
1887 beschließt der Stadtrat, das Lager- und Bürogebäude der Firma Gebhard & Co. an der Casinostraße, der heutigen Bahnhofstraße, als Rathaus anzukaufen; der Mönchengladbacher Architekt Wilhelm Weigelt gestaltet den bis dahin unverputzten Backsteinbau repräsentativ um (Bahnhofstraße 29).
Die wachsende Raumnot der städtischen Verwaltung (bereits 1909 klagt die Stadtsparkasse über Raumnot) macht 1915 den Erwerb eines benachbarten Wohnhauses als Bürgermeisterwohnung nötig (Bahnhofstraße 25).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das bestehende Rathaus an der Bahnhofstraße (29 und 25) weitergenutzt und 1949-52 durch einen Neubau unmittelbar im Anschluss bis zur Ecke Köngsallee (23) erweitert.

Bahnhofstraße 29, altes Rathaus
Baujahr: 1872
Bauherr: Fa. Gebhard & Co., Vohwinkel
ursprüngliche Nutzung: Lagergebäude
Umbau zum Rathaus:
Baujahr: 1887
Architekt: Wilhelm Weigelt, Mönchengladbach
ausführende Unternehmer: Gebr. Quacken (Vorderseite, Verputz), Cuylen (Rückseite, Ausfugung)
Bauherr: Stadt Viersen
Nutzung: Verwaltungsgebäude (Rathaus, ursprünglich mit Bürgermeisterwohnung)

Das stattliche dreigeschossige Gebäude erstreckt sich mit 11 Achsen entlang der Bahnhofstraße. Der Baukörper wurde 1872 als Kontor- und Lagergebäude errichtet. Nach dem Ankauf durch die Stadt 1887 erhielt er für seine neue Nutzung als Rathaus an seinen straßenseitigen Fassaden (Bahnhof- und Burgstraße) eine repräsentative Putzdekoration. Den Entwurf hierzu lieferte der Mönchengladbacher Architekt Wilhelm Weigelt. Zusätzlich wurde auf dem rückwärtigen Hof ein „Spritzenhaus“ errichtet (Plan: C. Schnitzler, Ausführung: Gebr. Gormanns).
Die Putzfassade ist im Erdgeschoss mit einer kräftigen Putzbänderung versehen; die mit Keilsteinen akzentuierten geraden Stürze der Fensteröffnungen werden von löwenkopfbesetzten Volutensteinen bekrönt. Über einem breiten Geschoss-/Sohlbankgesims mit Wasserwogenfries erheben sich die beiden verputzten Obergeschosse mit einer dichten Gliederung aus zwischen die Fensterachsen gestellten, über beide Geschosse durchlaufenden Wandpilastern mit hohen, vegetabil ornamentierten Postamenten, kannelierten Schäften und korinthischen Kapitellen. Der vierachsige rechte Hausteil, ehemals wohl die Bürgermeisterwohnung, wird durch eine doppelte Pilasterstellung vom übrigen Teil abgesetzt, in ihm sind darüber hinaus die beiden mittleren Fensterachsen ohne zwischengestellten Pilaster dafür mit figuriertem Relief-Feld zusammengefasst. Die Fenster besitzen eine breite, ädikulaartige Rahmung, im ersten Obergeschoss werden sie abwechselnd von konsoltem Gebälk oder Kartuschen bekrönt. Die Fenster des zweiten Obergeschosses sind ebenfalls alternierend unterschiedlich ausgestaltet: über geradem Gebälk im 1. Obergeschoss sitzen die Fenster auf kleinen seitlichen Konsölchen auf und haben breite Putzrahmen mit geraden Verdachungen, über den Kartuschen ist die Rahmung einfach gehalten, dafür erfolgt die Bekrönung dort mit Konsolstein und geschweiften Verdachungen. Ein profiliertes Putzgesims schließt diese Putzgliederung, die farbig von der verbleibenden Wandfläche abgesetzt ist, nach oben ab. Eine schmale Putzfläche leitet dann zum klassizierenden Balkenkopf-Trauffries und dem flachen Walmdach über.
Die ebenfalls stuckierte Seitenfassade zur Burgstraße ist strukturell entsprechend, im Detail aber schlichter ausgeführt, mit lediglich zwei, weit auseinander stehenden Fensterachsen und demgemäß größeren Wandflächen. Die Fenster sind als Blenden geschlossen. Die Gebäuderückseite ist schmucklos backsteinsichtig belassen. Hinterhausflügel sowie die historischen Fuhrparkgaragen bilden eine Hofsituation aus, die zur Burgstraße mit einer dem Hauptbau angeglichenen Gestaltung geschlossen ist.
Der alte Hauseingang mit zweiflügeliger Haustür und rundbogigem Oberlicht ist nicht mittelachsig angeordnet, sondern seitlich zur ehemaligen Bürgermeisterwohnung gerückt. Über dem Eingang ist eine Wappenkartusche mit dem Stadtwappen Alt-Viersens angebracht. Im Inneren haben sich prägnante Reste der historischen Ausstattung erhalten. Hervorzuheben sind das Vestibül mit Schmuckfliesen-Boden und einem sichergestellten Rest alter Wanddekoration sowie die alte Holztreppe, gerade zweiläufig mit Wendepodest und gedrechselten Geländerstäben. Alte zweiflügelige Holzfenster mit geteiltem Oberlicht entsprechen dem Entwurfsplan.
Die noch junge Stadt Viersen beauftragte für diese prominente Bauaufgabe nicht einen lokalen Baumeister, sondern den bekannten Mönchengladbacher Architekten Wilhelm Weigelt. Weigelt ist als Architekt zwischen 1876 und 1900 bekannt. Von ihm stammen in Mönchengladbach u.a. das Casino der Gesellschaft „Erholung“ in der Abteistraße 11 und das 1880 neu errichtete Wohnhaus der Burg Zoppenbroich. In Rheydt ist er mit siebzehn zum Teil prominenten Bauten nachgewiesen, überwiegend im Stil italienischer oder französischer Renaissance. Auch für die Villa von M.A. Rossié in Süchteln, Düsseldorfer Straße 25 und für das Gebäude Bahnhofstraße 36 (heute Gesellschaft Erholung) lieferte er den Entwurf.

Bahnhofstraße 25, ehemalige Villa Lüps/de Joncheere
Baujahr: 1877
Baumeister: C. Schnitzler
Bauherr: Mathias Lüps; Besitzer ca. 1880 bis 1915: Wilhelm de Joncheere, Leinenfabrikant
ursprüngliche Nutzung: Wohnhaus (ab 1915: Bürgermeisterwohnung)
heutige Nutzung: Verwaltungsgebäude (Rathaus)
1899 rückwärtiger Anbau (L. Hansen)
1915 Umbau zur Bürgermeisterwohnung (Stadtbauamt)
1937 Umbau der Bürgermeisterwohnung zu Büroräumen (Stadtbauamt)
Das Gebäude wird 1877 für den Bauherren Mathias Lüps errichtet. Die vorhandene Bauakte beginnt jedoch erst 1880, als Wilhelm de Joncheere ein Trottoir vor „seinem“ Wohnhause beantragt. Die Familien Lüps und de Joncheere waren eng miteinander verwandt: Anna Susanna Lüps, die Ehefrau von Johannes Mathias Lüps jr., war eine geborene de Joncheere aus Dordrecht und damit eine Verwandte der Viersener de Joncheere, Teilhaber der Leinenweberei de Joncheere & Küppers (Ulrich, S.127 u. ebd., Anm. 497).
1915 übernimmt die Stadt Viersen das Gebäude, das zunächst als Bürgermeisterwohnung dient. 1937 erfolgte ein Umbau zu Büroräumen. Das bis dahin wohl noch in sich abgeschlossene Gebäude wird nun auch baulich mit dem benachbarten Rathaus verbunden.
Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude, das mit seiner Höhe und insgesamt vier Fensterachsen die Kubatur des links anschließenden älteren Rathausgebäudes fortsetzt. Eine weitere Achse tritt als Eingangsachse deutlich hinter die Fluchtlinie zurück und vermittelt heute nach rechts zu dem weiter fortführenden, ebenfalls zurücktretenden Neubau der 1950er Jahre.
Das Erdgeschoss ist als grob gebänderte Putzfassade rustiziert, die Fenster sind dort rundbogig ausgeführt; die Geschosse darüber sind backsteinsichtig belassen (1. Obergeschoss) bzw. verputzt (2. Obergeschoss), die Fenster mit geraden Stürzen versehen. Zwischen Erd- und erstem Obergeschoss vermitteln zwei horizontale Linien aus Geschoss- und Sohlbankgesims. Das erste Obergeschoss ist zudem durch die variierte Fensterverdachung aus Dreiecksgiebelchen über den beiden linken Achsen, geradem Gebälk rechts anschließend und dann wieder Dreiecksgiebel in der Eingangsachse als Beletage ausgezeichnet. Lediglich ein dünnes Sohlbankgesims leitet zum zweiten Obergeschoss über, mit einfachen niedrigeren Rechteckfenstern und einem abschließenden Klötzchentrauffries.
Die Gebäuderückseite ist zeitüblich schlicht gestaltet und wird fast gänzlich vom ehemaligen Wirtschaftsflügel und dem risalitartig vorstehenden Verandazimmer des Erdgeschosses geprägt.
Den mit Schmuckfliesen gestalteten Weg zum Hauseingang begleitet rechts ein Mäuerchen, links eine in den Obergeschossen fensterlose Seitenwand, die im rustizierten Erdgeschoss eine Nische mit eingestellter Frauenstatue aufweist: „Nachbildung in gebranntem Ton, hergestellt von der Firma E. March Söhne, Charlottenburg bei Berlin, ca. 1,60 m. hoch, um 1880" (aus dem Katalog Auf dem Wege zur Stadt, Nr. 73, Ergänzung zur Publikation Nr. 5 Viersen - Beiträge zu einer Stadt).
Die originale zweiflügelige Haustür mit Halbrund-Oberlicht ist mit antikisierender Pilaster-Postament-Gliederung aufwändig gestaltet.
Trotz der erfolgten Nutzungsänderung sind im Innern zahlreiche Ausstattungselemente erhalten, die vom ehemaligen herrschaftlichen Anspruch des Hauses zeugen. Hierzu zählen der Zimmergrundriss, insbesondere der repräsentativen Räume „Salon“, „Zimmer“ und „Verandazimmer“ sowie des Treppenhauses im Erdgeschoss, bis hin in den ablesbar erhaltenen ehemaligen rückwärtigen Wirtschaftsflügel. Im Erdgeschoss des Treppenhauses (Treppe gerade zweiläufig mit Wendepodest) liegt ein Schmuckfliesenboden, zudem sind hier Decken- und Wandstuckierung hervorzuheben, mit Raumteilern aus gebälktragenden Wandpilastern und mehrfach profilierter Deckenkehle. In den Zimmern des Erdgeschosses befinden sich weitere ausgestaltete Decken: im vorderen ehemaligen „Salon“ unterteilen eierstabartige Friese die Fläche mit Mittelrosette, begleitet von einem Konsölchenfries in den Kehlen; im mittleren „Zimmer“ Mittelrosette mit stuckiertem Kehlfries, im hinteren „Verandazimmer“ schließlich eine aufwändige Kassettendecke aus Holz, deren Felder durch von Konsölchen begleitete Stege voneinander getrennt werden.
Zum historischen Baubestand zählen ferner alte Holzfenster, zumeist zweiflügelig mit Oberlicht.

Texte: Fred Pollmanns, Verein für Heimatpflege e.V. Viersen, unter Verwendung der Eintragungstexte aus der Denkmalliste, Untere Denkmalbehörde der Stadt Viersen

 

Bahnhofstraße 31
Baujahr: 1880
Bauherr: Mathias Johannes Lüps jr., Bankier
Architekt: Bornheim aus Köln
Ursprüngliche und heutige Nutzung: Wohnhaus
Die zweigeschossige Villa mit Mansarddach wird in der Hauptansicht zur Bahnhofstraße in fünf und zur Burgstraße in drei Achsen errichtet. Im rückwärtigen Bereich öffnet sich das Haus, in Form eines "L"s errichtet, zu einer parkähnlichen Anlage.
Die Hauptansicht wird zentralsymmetrisch mit einem in der Mitte liegenden Eingang gestaltet. Die Mittelachse ist durch einen flachen Risalit betont. Die Schmuckformen entsprechen denen der Neu-Renaissance.
Insgesamt erhält die Fassade durch den erdgeschossigen Bänderputz sowie Sohlbank und Geschoßgesims eine horizontale Gliederung. Den Abschluß zum Mansarddach bildet ein weit ausladendes Kranzgesims.
Die Fassade zur Burgstraße wird im Obergeschoß in den fensterfreien Achsen mit einem Medaillon auf jeder Seite geschmückt. Das linke beinhaltet die Darstellung des Merkur oder Hermes. Er ist der Patron der Kaufleute, der Hirten und des Handels, daneben Bote des Zeus. Seine Attribute sind der geflügelte Reisehut und der schlangenumwundene Heroldsstab, ferner zwei Flügel an den Füßen sowie einen Geldbeutel in der Hand.
Im rechten Medaillon wird Vulkanus oder Hephästos, ursprünglich der Blitzgott, dann der Gott des Feuers, der Kunst und des Handwerks, dargestellt. Er ist charakterisiert durch eine halbrunde Kappe, durch Hammer oder ähnliches Werkzeug; er ist bärtig dargestellt.
Weitere Figuren schmücken den Eingangsbereich. Hier sind in Wandnischen zwei Amoretten oder Eroten platziert (muntere Knaben, die einer Beschäftigung von Erwachsenen nachgehen). Zur Linken befindet sich die Figur eines Knaben mit Hammer, Zange und Amboß, der hier Vulkanus nacheifert. Diesem gegenüber steht ein Knabe mit Anker, Geldbeutel und Faß, der in der Kleidung des Hermes dargestellt ist.
Den Eingangsbereich im Innern des Hauses gliedern Lisenen in Marmordekor. Weiter führt der Flurbereich zu der mit kunstvollen Schnitzereien versehenen Holztreppe. Den Treppenpfosten krönt eine Holzbüste der Anna Susanna Lüps, der Ehefrau des Bauherren.
Die weitere Ausstattung, auf hohem handwerklichen und künstlerischen Niveau, ist in der Symbolik und der figuralen Darstellung, z.B. in der Übergiebelung einer Zimmertür, auf die römische Mythologie bezogen.
Besonders hervorzuheben sind die feinen Bemalungen in den Kassetten der Füllungstüren. Ebenso prachtvoll erscheinen die farbigen Stuckdecken. Hier trennen Girlanden die einzelnen Kassetten aus filigranem floralen Stuckwerk mit Engelsköpfen und Musikinstrumenten wie z.B. Geige und Flöte.
Auf dem rückwärtigen Gartengelände befindet sich ein ehemaliges Ökonomiegebäude, das 1880 errichtet und 1927 zu einer Garage umgebaut wird. Durch den Umbau wird die Wand zur Burgstraße, in der sich zwei Fenster befinden, in eine Öffnung in der Größe eines Garagentores vergrößert.
Bemerkenswert ist die Ausbildung zweier Dachgauben mit schmückendem Schnitzwerk. Weiter wird das Gebäude von einem Pferdekopf und einer Wetterfahne akzentuiert.
Die architektonische Qualität des Hauses sowie die repräsentative Innenausstattung und die Nachbarschaft weiterer repräsentativer Gebäude um den Park machen das Gebäude zu einem außergewöhnlichen Dokument der demonstrativen Bauweise des ausgehenden 19.Jh. in der Mitte der Stadt Viersen.

 

Bahnhofstraße 33
Baujahr: zwischen 1880 und 1890
Bauherr: Lüps (?); Peter Heinrichs, Gastwirt bzw. dessen Witwe
Architekt: unbekannt
ursprüngliche Nutzung: Gastwirtschaft mit Wohnung
derzeitige Nutzung: Musikschule
Das Gebäude befindet sich in markanter Ecklage Bahnhofstraße / Parkstraße. Seine städtebauliche Wirkung wird besonders dadurch betont, dass es frei steht, ohne unmittelbare Nachbarbebauung; zu beiden Seiten schließt sich lediglich eine hohe, zeitgenössische Backsteinmauer an, die die angrenzenden Gartengrundstücke zur Straße abschirmt. Zur Zeit seiner Erbauung befand es sich damit direkt am alten Bahnhof der Stadt, der im Bereich der heutigen Einmündung der Bahnhofstraße in die Freiheitsstraße lag und auf den die Bahnhofstraße (damals noch Casinostraße) direkt zulief. Funktion und Anordnung des Gebäudes erklären sich z.T. aus dieser ehemaligen Lage.
Nach lokaler mündlicher Überlieferung wurde das Haus vom Eigentümer des benachbarten Hauses Nr. 31, des Bankiers und Unternehmers Lüps, für eine "Geliebte" errichtet.
Ursprünglich war in ihm eine Gastwirtschaft untergebracht, was bereits im Außenbau durch die abgeschrägte Ecke mit dem ehemaligen Eingang in die Wirtschaft, einem typischen Erkennungsmerkmal dieser Nutzung, angedeutet wird. Zwar sind derzeit keine Bauakten auffindbar, jedoch ist im Stadtarchiv die betreffende Konzessionsakte erhalten. Demnach wurde die Wirtschaft von einem Peter Heinrichs bzw. von seiner Witwe betrieben, der zuvor bereits eine Schankwirtschaft in der Heierstraße unterhielt. Ein Konzessionsgesuch der Witwe datiert aus dem Jahr 1890; da das Nachbarhaus Nr. 31 im Jahre 1880 errichtet wurde, sind die 1880er Jahre als Bauzeit für das Gebäude Nr. 33 anzunehmen.
Es handelt sich um einen stattlichen dreigeschossigen Putzbau mit historisierendem Fassadendekor. Zur Bahnhofstraße besitzt er fünf, in der abgeschrägten Ecke eine und zur Parkstraße drei regelmäßige Fensterachsen. Eingänge befinden sich in der mittleren Achse zur Bahnhofstraße und, heute vermauert, in der Eckachse. Das Erdgeschoss ist durch eine Putzbänderung akzentuiert. Die Eingänge werden antikisierend gerahmt (Pilaster auf Postamenten mit Gebälk), die durch ein Sohlbankgesims miteinander verbundenen hochrechteckigen Fenster von kleinen volutenförmigen Schlusssteinen bekrönt. Erd- und Obergeschoss trennt ein umlaufendes Gesims. Darüber verbindet wieder ein Sohlbankgesims die reicher gerahmten und verdachten Fenster des ersten Obergeschosses, welches so als beletage-artiges Hauptgeschoss ausgezeichnet ist. Die Fenster über den Eingängen sind durch aufwändige antikisiernde Rahmungen (auf der Ecke Dreiviertelsäulen, seitlich Pilaster) mit Brüstungs-Blendbalustern und bekrönenden Segmentgiebeln besonders hervorgehoben. Konsolen und Schäfte am Fenster der Eckachse sind mit Maskenköpfen und vegetabilem Schmuck versehen. Das zweite Obergeschoss wird lediglich durch ein Sohlbankgesims horizontal akzentuiert, Rahmung und Verdachung der Fenster sind hier weniger aufwändig wie im Hauptgeschoss, Dreiecksgiebel zeichnen die Fenster der Eingangsachsen aus. Ein kräftiges Kranzgesims leitet zu dem flach geneigten, abgewalmten Dach über.
Die Fassaden zu den Gartenseiten sind backsteinsichtig gehalten, mit einfach in die Wand eingeschnittenen Öffnungen ohne Rahmung oder Profilierung, jedoch mit stichbogiger Sturzmauerung.
Im Inneren ist der typische Gastwirtschaftsgrundriss im Erdgeschoss noch ablesbar erhalten. Charakteristisch sind der große ehemalige Schankraum mit eigenem Zugang in abgeschrägter Ecke und der danebenliegende getrennte Zugang für die anderen Räumlichkeiten, der auch zu einem innenliegenden Treppenhaus führt. In der Ecke zu den beiden Gärten hin, in einen eingeschossigen Anbau ausgreifend, war ehemals die Küche angeordnet. Weitere "Wirtschaftsräume" waren laut Konzessionsgesuch von 1890 in den beiden anderen Zimmern des Erdgeschosses und im Eckzimmer des ersten Obergeschoss untergebracht.
Leider wurde durch spätere Umbauten die originale Ausstattung weitgehend entfernt. Erhalten sind lediglich Reste von Deckenstuck im Eingangsflur und im Eckzimmer des ersten Obergeschosses (beide mit Rosette) sowie die schlichte Holztreppe.
Zu dem Gebäude gehört eine hohe Backsteinmauer entlang der Parkstraße mit Eckpylonen und Portal.

Texte: Fred Pollmanns, Verein für Heimatpflege e.V. Viersen, unter Verwendung der Eintragungstexte aus der Denkmalliste, Untere Denkmalbehörde der Stadt Viersen

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