Viersen, Bachstr. 351, “Nothaus”

Baujahr: 1949/50
Architekt: Hans Rangette (Dülken)/Dülkener Holzbaustoffwerke
Eintragung in die Denkmalliste: 1993

Wohnraum war in den mehr oder weniger zerstörten Städten und Dörfern die drängendste - und zeitweise die einzig erlaubte - Bauaufgabe der unmittelbaren Nachkriegszeit. Vielerorts erlangten Selbsthilfesiedlungen in der Tradition der 1920er Jahre noch einmal eine vorübergehende Bedeutung, bald dominierte anspruchsloser, mehrgeschossiger Schlichtwohnungsbau. Die Not machte aber auch erfinderisch. So ließ die Stadt Viersen 1949/50 auf billigem Baugrund unmittelbar an der Bahntrasse insgesamt 9 „Nothäuser“ errichten, von denen sich acht relativ unverändert bis heute erhalten haben. Bei den nach einem Entwurf des Dülkener Architekten Hans Rangette errichteten Häuschen handelt es sich um Fertighäuser in Fachwerkbauweise mit Ausfachungen aus Leichtbauplatten. Nach ihrem Hersteller, den Dülkener Holz-Baustoffwerken von Gustav Fetten, sind die Häuser, zu denen selbstverständlich auch ein Garten gehörte, auch als „Fetten-Häuser“ bekannt.
Das einzelne, voll unterkellerte Haus mit Satteldach ist über einer Fläche von 4,60 x 6,26 = 28,80 qm errichtet. Die ursprüngliche Innenraumaufteilung umfasste im Erdgeschoss eine 3 qm große Diele, einen Abort und ein mit der Küche verbundenes Wohnzimmer. Eine Holzstiege führte ins Obergeschoss mit zwei hintereinander angeordneten Schlafräumen. Der über beide Räume des Obergeschosses laufenden Dachboden war durch eine Deckenluke zu erreichen. Im von außen zugänglichen Keller waren Bad und die Waschküche untergebracht.
Die Elemente wurden vorfabriziert und am Bauplatz montiert. Zwischen dem Aufstellungsbeschluss in der Sitzung des Bau- und Liegenschaftsausschusses Ende August 1949 und der Fertigstellung und dem Bezug der Häuser im Dezember 1949 liegt lediglich eine Zeitspanne von 4 Monaten. Die lokale Presse nahm regen Anteil an der Aufstellung der ca. 9000 Mark teuren Fertighäuser, deren Bauweise jedoch schon bei Fertigstellung ebenso wie die von vergleichbaren Holzhäusern an der Lindenallee in Dülken als zu provisorisch und unrentabel angesehen wurde und daher keine Nachfolge fand.
Dennoch sind die Häuser ungewöhnliche Beispiele zur Beseitigung der Nachkriegszeit. Sie vereinbaren in sich, den in der Nachkriegszeit unabweisbare Zwang, schnellstens Wohnungen zu schaffen und die nicht minder dringende Forderung, den Baupreis so niedrig wie möglich zu halten.

 

Tag des offenen Denkmals 2003

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