Viersen, Donker Weg 210, “Haus Bergendonk”

Baujahr: 1909; 1920/27
Bauherr: 1909: Karl Fromberg (Mönchengladbach); 1920/27: Emil von Bergen-May (DĂŒsseldorf)
Architekt: 1909: Jean DĂŒnnwald (Mönchengladbach); 1920/27: Julius Alf, Arch. BDA (DĂŒsseldorf)
Eintragung in die Denkmalliste: 1985

Im Jahr 1909 beantragen der Architekt Jean DĂŒnnwald und Karl Fromberg, der als Beruf „Installateur“ angibt, die Errichtung einer „Kleinwohnung fĂŒr einen Landarbeiter am Horstweg zu Viersen, Donk“. Die von den beiden Mönchengladbachern zur Genehmigung eingereichten PlĂ€ne geben aber eher ein kleines Landhaus wider, innerhalb eines großen Areals mit StĂ€llen fĂŒr HĂŒhner und Enten sowie Fisch- und Entenweiher in einem Geflecht von BĂ€chen bzw. kleinen WasserlĂ€ufen, Obstgarten und Viehweide. SpĂ€ter heißt es, es habe sich um einen GeflĂŒgelhof gehandelt, das WohngebĂ€ude sei aber nur in den Sommermonaten vorĂŒbergehend benutzt worden.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlangt der Hof in zwei wesentlichen Etappen seine heutige Gestalt, indem - sicher nicht zuletzt aus baurechtlichen GrĂŒnden - der Ursprungsbau umgebaut, aufgestockt, erweitert wird, so dass heute nur mit gewisser MĂŒhe die verschiedenen Phasen in dem ĂŒberlieferten Wohnhaus, aber auch in den WirtschaftsgebĂ€uden voneinander geschieden werden können.

Im Dezember 1919 berichtet ein Mitarbeiter einer Viersener Baufirma der Stadtverwaltung von offenbar ungenehmigten Baumaßnahmen auf dem inzwischen „Horsterhof“ genannten Anwesen - auch das ein Motiv, dass sich durch die folgenden Jahre hindurch zieht, scheint doch der neue EigentĂŒmer die abgeschiedene Lage fernab vom Stadtzentrum als relative UnabhĂ€ngigkeit in baupolizeilichen Fragen interpretiert zu haben. Jedenfalls sah sich bald sogar der Architekt, durch wiederholte Mahnungen der Viersener Bauverwaltung sichtlich genervt, veranlasst klar zu stellen, dass er zwar fĂŒr die Planung verantwortlich sei, fĂŒr die AusfĂŒhrung der GebĂ€ude jedoch allein sein Bauherr.

Dieser Bauherr war Emil von Bergen-May aus DĂŒsseldorf, der die Umbauten (und die hierfĂŒr zu beschaffenden Baumaterialien) 1919/20 mit seiner Absicht rechtfertigte, im Gegensatz zu seinem Vorbesitzer das Anwesen nunmehr ganzjĂ€hrig bewohnen zu wollen. Hierzu wurden u.a. der hintere SeitenflĂŒgel sowie der heute noch vorhandene turmartige Aufbau angebaut, so dass das Wohnhaus jetzt den Charakter eines kleinen, ja seit langem durchaus auch landschaftstypischen Herrensitzes annahm. Auch die WirtschaftsgebĂ€ude wurden den neuen BedĂŒrfnissen angepasst.

Seine heutige Gestalt erhielt das Haus dann 1927, als weitere Ausbauten und v.a. Aufstockungen dem ursprĂŒnglichen Kern noch einmal gewissermaßen neue Jahresringe hinzufĂŒgten. Insbesondere das markante halbrunde Portal vor polygonalem TĂŒrmchen, MansarddĂ€cher, geschweifte Hauben und der Belvedere geben dem Haus seither ein neubarockes GeprĂ€ge. In den zeitgenössischen LageplĂ€nen fungierten die ehem. Weiher und Wiesen rechts des Hauses inzwischen als „Park“, mit einem kleinen, sogar mit Booten bestĂŒckten Teich und einem heute verschwundenen GewĂ€chshaus, und standesgemĂ€ĂŸ wurde aus dem ehem. „Horsterhof“ nun „Haus Bergendonk“. Planleger war sowohl 1919/20 als auch 1927 Julius Alf, Architekt BDA aus DĂŒsseldorf, der wenige Jahre darauf (1932) MitbegrĂŒnder des bekannten DĂŒsseldorfer Heimatvereins „DĂŒsseldorfer Jonges“ war.

Die Raumstruktur des Inneren ist - in Kontrast zum großzĂŒgigen Äußeren - teilweise stark verschachtelt und kleinteilig. Ursache dafĂŒr dĂŒrften die komplizierte Baugeschichte und außerdem die Tatsache sein, dass wegen des feuchten GelĂ€ndes kein Keller vorhanden ist, so dass ĂŒber einem halb eingetieften Sockelgeschoss weitere Ebenen teilweise versetzt zueinander angeordnet sind. Hierdurch entstehen auch opkamerartige RĂ€ume, was zusammen mit der kleinen dielenartigen Eingangshalle AnklĂ€nge an traditionelle Hausformen hervorruft. GroßbĂŒrgerliche GroßzĂŒgigkeit vermittelt vor allem noch die ursprĂŒnglich erhaltene Raumfolge der drei Wohnzimmer auf der rechten Seite, wĂ€hrend die linke Hausseite WirtschaftsrĂ€umen und KĂŒche vorbehalten war

Die an drei Seiten den rĂŒckwĂ€rtigen Hof umstehenden ehemaligen WirtschaftsgebĂ€ude sind Ă€hnlich wie das Wohnhaus in mehreren Ausbaustufen zwischen 1911 und 1948 entstanden bzw. erweitert worden. Ein hierher translozierter Holzlagerschuppen aus dem Jahr 1896 wurde jĂŒngst dem Ensemble hinzugefĂŒgt

Seit Mitte der 1990er Jahren wird das gesamte Anwesen, örtlich als „Schlösschen“ bekannt, von seinen heutigen Besitzern behutsam und sachverstĂ€ndig saniert - und wo nötig auch ideenreich fortgeschrieben.

Tag des offenen Denkmals 2003

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