Dülken, Evangelische Christuskirche

Text aus: Denkmäler in der Stadt Viersen, Website der Stadt Viersen (www.viersen.de)
Red.: Ellen Westerhoff

Geschichte
1609 Ersterwähnung eines evangelischen Pastors in Dülken. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nimmt die evangelische Bevölkerung infolge der Industrialisierung zu. 1852 wird der evangelische Gottesdienst in einem Fabrikraum am Domhof abgehalten.
1855 erfolgt die Einweihung der Christuskirche an der Bahnhofstraße (=Martin-Luther-Straße)
Zu den Erweiterungen, Sakristeianbau und Außentreppe zur Empore (Baugesuch vom 27.06.1906) liegt ein Schriftwechsel zwischen der Bürgermeisterei Dülken und der preußischen Regierung vor, der einen interessanten Einblick in die Denkmalpflege zur Jahrhundertwende vermittelt.
1966 wird ein neuer Kirchenbau mit Verbindung zum alten an der Nordseite eingeweiht. (Baugesuch 30.05.63) Dabei wird auch der Eingang der Sakristei zur Apsis hin verlegt.

Beschreibung
Der in einheitlichen Formen der Neuromanik errichtete Kirchenbau wird in 3 Bauabschnitten gebaut. Dem einfachen rechteckigen Kirchenraum mit 5/8 Chorabschluss liegt ein Bautyp zugrunde, der im Rheinland schon vor den preußischen Einflüssen existiert. Die Oberbaudirektion in Berlin beeinflusst diese Tradition des 18. Jahrhunderts lediglich im Detail.
Das Äußere des in Backstein gehaltenen Baukörpers ist einfach und klar gegliedert. Die von kleinen Türmchen überhöhten Eckpilaster werden auf der Ost- und Westseite durch Treppengiebel miteinander verbunden. Auf den Längsseiten, deren Mittelteile risalitartig vortreten, stellen Rundbogenfriese die Verbindung her.

Der Turm, in gleicher Weise mit Pilastern und Rundbögen in 3 Geschosse gegliedert, besitzt im Erdgeschoss nach Westen den noch ursprünglich erhaltenen Eingang. Rechteckige Pilaster tragen einen Bogen, der mit einem profilierten Dach in Werkstein abgeschlossen wird. Die dazwischenliegende Putzfläche trägt die Jahreszahl 1876. Das Oberlicht, über einem mit Weinlaub geschmücktem Kämpfer, setzt die Rundbogenform des Rahmens in der inneren Teilung fort.
Über dem Eingang erscheint im 2. Turmgeschoss nach Westen ein Fenster, nach Norden und Süden eine sich öffnende Knospe (in Werkstein) von einem profilierten Kreis (in Backstein) gerahmt.
Im 3. Obergeschoss, dem Glockenturm, sitzt über den Klangarkaden, die ursprünglich nach allen Seiten gerichtete Uhr. (Ostseite zugemauert)

Der Gemeinderaum (Breite zu Länge etwa 2:3) besitzt auf den Längsseiten je 3 große Fenster, deren ursprüngliche Verglasung verloren ist. Nur der Chor besitzt noch die ursprünglichen Fenster (von 1855) sowie die Sakristei (nach 1906). Aufwendig wird der Raum nach oben durch eine teils mit Blattgold gefasste Stuckdecke betont. Die farbige Ausgestaltung der Stuckausfachungen ist teilweise erhalten.
1963 wird der Innenraum in seinen Ursprungszustand zurückgebaut. Die Empore wird auf 1,00 m verkürzt, die sich dort befindende Orgel abgebaut. Der Holzfußboden wird durch einen Steinfußboden ersetzt. Das Gestühl wird gegen eine bewegliche, jedoch moderne Bestuhlung ausgetauscht. Ein neugotischer Taufstein wird aufgestellt.

Die Kirche repräsentiert in ihrer Schlichtheit die Geisteshaltung der reformierten evangelischen Gemeinden.

Aus wissenschaftlichen, insbesondere architekturgeschichtlichen und volkskundlichen Gründen, liegen Erhaltung und Nutzung des Gebäudes gemäß § 2 (1) des Denkmalschutzgesetzes im öffentlichen Interesse.

Quelle
Akte Sta. 65 Hochbauamt der Stadt Viersen
Akte Sta. 63 Bauordnungsamt der Stadt Viersen

Literatur
Rheinischer Städteatlas V, Nr. 27, 1979
Trier, Weyres: Kunst des 19. Jahrhundert im Rheinland, Bd. 1, Seite 276, 277
Ernst/Riegelmeyer: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde, Dülken 1964, Gemeindebrief
Brües, Eva: Die Denkmäler der ehemaligen Stadt Dülken, Teil 1: Die Sakralen Denkmäler, Heimatbuch des Kreises Viersen, 1980

Stand
Hochbauamt der Stadt Viersen
März 1987

 

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