Tag des offenen Denkmals 2010 in Viersen
Sonntag 12. September 2010

Download: Programm Flyer 2010 (pdf, 714 KB)

Eligiusplatz 4/6, Mostertzhaus (2010)

Download: Revitalisierung des Historischen Ortskerns von Dülken - ein Jahr voran (M. Kieser). Erschienen Januar 2010, in: Denkmalpflege im Rheinland 1/2010 (pdf, 4,3 MB)

 

Veranstalter:

Stadt Viersen
-Untere Denkmalbehörde-

in Zusammenarbeit mit

  • Verein für Heimatpflege e.V. Viersen
  • Verkehrs- und Verschönerungsverein Dülken e.V.
  • Süchtelner Heimatfreunde e.V.
  • Bürgerverein von Boisheim e.V.

Offene Denkmäler
Freie Besichtigung: 13-17 Uhr
Geführte Bustour: 13.30 - 17.30 Uhr

Eligiusplatz 4/6, Mostertzhaus (Dülken)
Gladbacher Straße 779, Villa Maria (Viersen)
Kreuzherrenstraße 59 / Ostwall 42, Wohnhaus u. Hintergebäude Geschw. Klingen (Dülken)
Lange Straße 89, Wohnhaus M. Schmitz (Dülken)
Poststraße 8, ehem. Reichsbank (Viersen)
Zerresweg 52, Zerreshof (Süchteln)

 

Gladbacher Straße 779 (Viersen)
Villa Maria

Beschreibung (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, M. Kieser, 2008)

Bauherr: Ernst Essers, Fabrikant (Mönchengladbach)
Architekt: Johannes Heuter (Mönchengladbach)

Lage und Entstehung

Das Haus Gladbacher Straße 779 befindet sich an der südlichen Stadtgrenze Viersens (neben der Landwehr) und schließt dabei praktisch unmittelbar an die zu Mönchengladbach gehörende Bebauung an bzw. wird häufig auch als dieser zugehörig betrachtet. Selbst in den zeitgenössischen Bauanträgen ist die Straßenbezeichnung teilweise unklar ("Viersener Landstraße zu Helenabrunn"). Bauherr und Architekt stammten aus Mönchengladbach und hatten dort auch ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt. Das Haus wurde 1911-12 für den Fabrikanten Ernst Essers errichtet, der Entwurf stammt von dem Architekten und Bauunternehmer Johannes Heuter.

Beschreibung

Es handelt sich um ein freistehendes, hinter einem Vorgarten mit Einfriedung von der Straße abgerücktes Wohnhaus (Villa), wobei die rechte Seite als fensterloser Brandgiebel ausgeführt und somit auf den späteren Ausbau zu einer "Doppelvilla" hin konzipiert wurde. Der im Prinzip rechteckige Baukörper erhebt sich zweigeschossig mit ausgebautem Dachgeschoss auf annähernd quadratischer Grundfläche (ca. 12,00 x 10,30 m). Der Außenbau ist über einem Sockel mit Putzquaderung glatt verputzt und zeigt nach vorne und zur linken Seite hin eine in zeittypischer Weise "malerisch" gegliederte Dach- und Baukörpergestaltung.

So sind im Erdgeschoss nach vorne ein kleiner dreiseitiger Erker und seitlich ein Eingangsvorbau angefügt, beide mit leicht abgeschleppten Dachflächen. Im Obergeschoss kragt auf der linken Hausecke eine Loggia leicht hervor, die mit Säulen geöffnet ist und ebenfalls ein abgeschlepptes Walmdach trägt. Das ausgebaute Dach prägen nach vorne ein firsthoher, zur Seite ein niedrigerer Zwerchhausgiebel, wobei die Fläche in der Giebelspitze jeweils verschiefert ist; auch die Wandfläche im Dachgeschoss zwischen den beiden Giebeln ist verschiefert, was optisch den Eindruck eines Mansarddaches hervorruft. Das eigentliche Walmdach besitzt auf seinen Ansichtsseiten eine Biberschwanzdeckung.

Innerhalb der aufgehenden verputzten Wandfläche sind die hochrechteckigen Fenster an verschiedenen Stellen zu Gruppen zusammengefasst, die teilweise auch durch gemeinsame, teils gerundete Gewände verbunden sind. Regelmäßige vertikale Fensterachsen sind vermieden. Im Obergeschoss und teilweise im Dachgeschoss sind grüne Fensterländen vorhanden. Die Wandflächen werden ferner durch eine Kassettierung der Loggiabrüstung sowie durch eine kleine Inschrift "Villa Maria" zwischen Ober- und Dachgeschoss gegliedert. Der Name leitet sich vom Vornamen der Ehefrau Ernst Essers ab.

Die Rückseite des Hauses ist insgesamt schlichter ausgeführt, mit einem einfachen Zementputz versehen und mit einer traufständigen Satteldachfläche, auf der zwei Schleppgauben für die Belichtung des Dachgeschosses sorgen.

Neben dem einschließlich der Fenster gut erhaltenen Äußeren besticht das Haus Gladbacher Straße 779 vor allem durch das weitgehend unveränderte Innere, mit noch dazu einigen bemerkenswerten Ausstattungselementen wie den zahlreichen originalen Buntglasfenstern der Bauzeit. Hinter dem Eingang mit alter Haustür liegt das Treppenhaus, von dem aus durch einen mittig gelegenen, firstparallelen Stichflur die Zimmer in den einzelnen Geschossen erschlossen werden. Im Erdgeschoss waren laut Bauplan Salon, Esszimmer und "Veranda" (ein weiterer Wohnraum) vorgesehen, dabei die vorderen Zimmer durch breite Durchgänge miteinander verbunden; im Obergeschoss verzeichnet der Plan Schlafzimmer, Bad und Comptoir, im Dachgeschoss weitere Schlafzimmer, Fremden- und Mädchenzimmer.

Die Treppe führt dreiläufig nach oben, das Metallgeländer ist ornamental gestaltet. Bodenfliesen bzw. -dielen sind erhalten. Den Treppenaufgang begleiten Farbfenster mit pflanzlich-ornamentalen Motiven, in die Details wie Messuhren oder Zirkel und Dreieckslineal eingefügt sind, die auf den technischen Beruf des Bauherren hindeuten. Auf dem Obergeschoss-Absatz befindet sich ein motivgeschichtlich ganz besonderes, dreiteiliges Buntfenster, in dem zentral Inschriften angebracht sind, die neben dem Hausherren auch die Bauzeit am Beginn des Ersten Weltkrieges widerspiegeln: "Wir Deutschen niemals untergehn /so lange wir Granaten drehn / und Schmiede Waffen hämmern", darunter links und rechts die Jahreszahlen 1914 bzw. 1915 und in der Mitte zusätzlich eine Granate mit dem Berufssignet Zirkel und Dreieck.

Türen (Rahmenfüllungstyp, häufig durchfenstert), zugehörige Gewände sowie Bodenbeläge sind an vielen Stellen im Haus erhalten (z.B. Fliesen in Erdgeschoss-Flur, Küche bzw. Bad), ebenso aufwändige Leuchter (Treppenhaus) und Deckenstuckierungen in den Haupträumen (ehemals Wohn-/Esszimmer des Erdgeschosses, Wohn-/Schlafzimmer des Obergeschosses). Diese sind der Bauzeit gemäß stärker abstrahiert-geometrisch aufgefasst als zuvor im Historismus üblich und nach Raumtyp differenziert: z.B. Rokokomotive im ehemaligen Salon, an Renaissance-Kassettendecken angelehnt im ehemaligen Esszimmer, Wabenmuster im ursprünglich als "Veranda" bezeichneten Zimmer. Auch im ehemaligen Esszimmer und im "Veranda"-Zimmer sind in den dreiseitigen Erkerausbauten Buntglasfenster angebracht, die z.T. wieder Inschriften enthalten ("Arbeit ist des Bürgers Zierde" / Hier leb ich, hier lieb ich, hier ruhe ich aus" / "Hier ist meine Heimat, hier bin ich zu Haus").

Weitere bemerkenswerte Ausstattungsdetails der Bauzeit sind die kaminartig gestaltete Heizstelle und der Leuchter im Erdgeschoss des Treppenhauses.

Die zeitgenössische Einfriedung mit Portal ist zwar leider ohne Gitter überliefert, zählt aber funktional und stilistisch selbstverständlich zum historischen Bestand.

Bauherr

Ernst Essers wurde am 16.08.1870 in Krefeld geboren und ist am 01.03.1947 in Mönchengladbach gestorben. Nach den Recherchen des Stadtarchivs Mönchengladbach ist er 1893 aus Cottbus nach Mönchengladbach zugezogen, in das Haus seines Vaters Otto Essers (Regentenstraße 93), der zusammen mit seinem Bruder Ernst eine Mechanische Weberei "Gebr. Essers" an der Eickener Straße 196/198 betrieb.

Ernst Essers wird 1902 und 1906 als Inhaber der Firma "Gladbacher Eisengießerei Ernst Essers" verzeichnet, Lürriper Str. 390a (im Adressbuch 1907 erscheint unter dieser Adresse auch Otto Essers, als (Mit-)Besitzer?). Hauptprodukte der Gießerei waren laut einem Briefkopf aus dem Jahr 1911 Bauguss, Stahlformguss, Eisenkonstruktionen, Zirkulieröfen, Zirkulier-Koksöfen und Diaphragmapumpen "System Essers". Die Adressangaben bezüglich seines Firmensitzes und seiner Wohnung sind über die Jahre etwas verwirrend, da offenbar auch auf den geschäftlichen Briefköpfen in der Regel seine private Adresse und Telegrafen-Nummer angegeben sind. Vor dem Umzug nach Viersen scheint seine Privatadresse wohl Poeth 25 gewesen zu sein (so jedenfalls die Adressbücher 1908 und 1912). Auffällig ist auch, dass Ernst Essers spätestens mit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr als Inhaber einer konkreten Fabrik in den Adressbüchern erscheint, sondern z.B. im Viersener Adressbuch 1927 als - im Handelsregister eingetragener - "Ingenieur" (1908: "Zivil-Ingenieur").

Essers scheint schon im Ersten Weltkrieg nicht mehr Besitzer der Eisengießerei an der Lürriper Straße in Mönchengladbach gewesen zu sein. 1916/17 sind für die Lürriper Straße 390/390a im Adressbuch ein Andreas Schlipper und ein Hubert Philippen angegeben, bevor hier 1921/22 und 1925/26 die Firma Lomberg & Söhne, Metallwarenfabrik u. Eisenhandlung und dann erstmals 1927 "H. Weller, Eisenkonstruktionen" angesiedelt sind, letztere unter dem Namen "Stahlbau Weller" lange Jahre ein großes und bekanntes Unternehmen.

Welcher unternehmerischen Tätigkeit Ernst Essers nach dem Ersten Weltkrieg nachgegangen ist bzw. ob er weitgehend von Patenten und Kapital leben konnte, ist derzeit nicht genau bekannt. Als letzte Adresse vor seinem Tod erscheint nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich die Viersener Straße 450 in Mönchengladbach: Nach dem Tod seiner Frau Maria wurde er dort von den Ordensschwestern des gegenüber der Villa liegenden Franziskushauses versorgt, im Gegenzug diente die „Villa Maria" dem Orden als Wohnhaus. Im Franziskushaus ist Essers dann 1947 auch verstorben.

Architekt

Zu Leben und Werk des Mönchengladbacher Bauunternehmers und Architekten Johannes Heuter (gest. 1963) ist wenig bekannt, was in erster Linie daran liegen mag, dass in Mönchengladbach die historischen Baukaten im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurden. Der bislang früheste Bau, der der Denkmalpflege bekannt ist, ist das Wohnhaus Am Alten Rathaus 4 in Viersen-Dülken, errichtet 1904 für den Schuhfabrikanten Gerhard Gatzenmeier. In Viersen erbaute er 1905 das Wohnhaus mit Weinbrennerei von Josef Fausten, Rektoratstraße 39. Nachdem Heuter im Adressbuch 1906 unter der Adresse Regentenstraße 112 verzeichnet ist, findet man ihn dort 1921/22 unter der Adresse Luisenstraße 167 - sehr wahrscheinlich ist die 1908/09 errichtete, denkmalgeschützte Bautengruppe Luisenstraße 167-173 daher ebenfalls von ihm, ebenso das Haus Hohenzollernstraße 185, für das im Adressbuch als Bewohner allerdings Heinrich Heuter angegeben ist. Johannes Heuters Adresse in den 1920er und 1930er Jahren lautete Franziskanerstraße 10, 1950 bis zu seinem Tode dann Rubensstraße 9.

Die Heuter gesichert zuschreibbaren Bauten vor dem Ersten Weltkrieg weisen ihn als einen Architekten aus, der "auf der Höhe der Zeit" den Reformstil jener Jahre sicher anwendete, der sich mit Mitteln des Jugendstils und Neuer Sachlichkeit evolutionär vom Historismus löste. Während es sich bei den Häusern in Luisen- und Hohenzollernstraße um einfache eingebaute Reihenhäuser handelt, sind das Dülkener Wohnhaus und die „Villa Maria" typische Unternehmerwohnhäuser, wobei letztere durch ihren Ausstattungs- und Detailreichtum sicher eine Sonderstellung einnimmt.

Denkmalwert

Die „Villa Maria" des Unternehmers Ernst Essers, Gladbacher Staße 779, ist aufgrund ihres außergewöhnlich weitgehenden Originalzustands, der Qualität ihrer Gestaltung und ihres Ausstattungsreichtums als eines der herausragenden architektonischen Zeugnisse Viersens aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anzusehen. Auffallend sind stilistische Anleihen beim zeitgenössischen "neubergischen Bauen", das sich in der Verschieferung, der Gestaltung der Fenstergewände (weiß aufgeputzt mit runden Fensteröffnungen) und den grünen Fensterläden, insgesamt also auch dem farblichen Dreiklang weiß-grün-schwarz ausdrückt. Die mündliche Überlieferung, diese für den Niederrhein eher untypische Gestaltung sei wegen eigener biografischer Wurzeln im Bergischen Land auf Wunsch Ernst Essers erfolgt, ließ sich bislang nicht erhärten. Ähnliche stilistische Bezüge sind auf Viersener Stadtgebiet auch am Wohnhaus Heinz-Luhnen-Straße 15 in Dülken verwendet.

Von der Ausstattung besonders hervorzuheben sind die Buntglasfenster, nicht nur wegen ihrer Zahl, sondern auch wegen ihrer spezifischen Ikonografie, die auch überörtlich von Interesse ist. Schließlich manifestiert sich hier auch ein wichtiges Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte Mönchengladbachs, wenn auch wohl eher zufällig auf Viersener Stadtgebiet.

Als außergewöhnlich gut erhaltenes und reich ausgestattetes Unternehmerwohnhaus aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist die Villa Gladbacher Straße 779 einschließlich ihrer Einfriedigung bedeutend für Viersen und Mönchengladbach. Ihre Erhaltung und Nutzung liegt aus den dargelegten wissenschaftlichen, architektur- und ortsgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse. Es handelt sich daher gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz NRW um ein Baudenkmal.

Quellen
Bauakte Gladbacher Straße 779 der Stadt Viersen.
Stadtarchiv Mönchengladbach, Adressbücher 1902-1964 und Gebäudesteuerlisten 1907 (mit Fortschreibungen).

 

Kreuzherrenstraße 59 und Ostwall 42 (Dülken)
Wohnhaus und Hintergebäude Geschwister Klingen

Beschreibung der Unteren Denkmalbehörde (1986/2009)

Das dreigeschossige, vierachsige Haus in der Kreuzherrenstraße ist 1840-1850 traufständig gebaut worden.

Es besitzt als eines der wenigen Gebäude in Dülken eine stark romanisierende Prägung der Fassade. Ähnliche Fassadengestaltung besaß ursprünglich der 1866 fertiggestellte Bahnhof in Dülken. Die Fassade ist verputzt, das Erdgeschoss durch Fugenschnitt strukturiert. Die Stockwerke sind über dem Erdgeschoss durch ein doppeltes, über dem Obergeschoss durch ein einfaches Gesims getrennt und enden oben in einem weit auskragenden Dachgesims. Im Obergeschoss gliedern zusätzlich Pilaster die Fassade, die oben die halbrunden Fenster umrahmen. Die sechs Fenster im Mezzaningeschoss sind zu Drillingsöffnungen zusammengefasst. Die ursprünglichen Fenster, vor allem die originelle Sprossenaufteilung im Mezzaningeschoss, sind unverändert geblieben.

In diesem Straßenzug befanden sich insgesamt drei Häuser ähnlicher Prägung, wovon allerdings zwei abgerissen wurden.

Auch die Innenausstattung ist gut erhalten. In Räumen des Erdgeschosses haben sich Stuckdecken mit floralem Motiv erhalten können. Im Obergeschoss nur als Hohlkehlmotiv. Die Räume behielten ihre normale Geschosshöhe, die Holztreppen sowie die Türen mit profilierter Leibung sind auch unverändert geblieben.

Das Haus mit seiner Fassadengestaltung und gut erhaltenen, ursprünglichen Grundrissen, verdient eine besondere Wertstellung.

Rückwärtig steht ein dreigeschossiges, backsteinsichtig belassenes traufständiges Hintergebäude mit Satteldach, wohl jünger als das Wohnhaus (2. Hälfte 19. Jahrhundert) und mit eigenem Zugang vom Ostwall aus durch eine Holztür mit gedrungener Rahmung. Im 1. Obergeschoss zum Wall sowie über die gesamte Hoffassade besitzt es relativ große zweiflüglige Holzfenster mit ebenfalls zweigeteilten Oberlichtern, die segmentbogig geschlossen werden.Die ursprüngliche Zweckbestimmung ist unklar. Lage und Durchfensterung lassen eine reine Lagernutzung unwahrscheinlich erscheinen. Aufgrund des integralen Zusammenhangs mit dem vorderen Wohnhaus und der weitgehend originalen Erhaltung ist das Hintergebäude Teil des Baudenkmals.

Um 1900 war das Anwesen Kreuzherrenstraße 59 im Besitz von Max Klingen, Besitzer einer Samtbandfabrik, die in verschiedener Form in Dülken seit mindestens 1843 nachweisbar ist („Gebr. Klingen“) und 1904 an ihrem Standort an der Viersener Straße 49 Arbeiter beschäftigte. Mit dem Tod von Max Klingen, der auch langjähriger Stadtverordneter, Beigeordneter und Vorstandsvorsitzender des Spar- und Bauvereins war, 1909 erlosch die Firma.

Aus wissenschaftlichen, insbesondere architekturgeschichtlichen Gründen liegt die Nutzung und Erhaltung des Gebäudes und des Hintergebäudes gemäß § 2 (1) Denkmalschutzgesetz im öffentlichen Interesse.

Quellen
Akte Kreuzherrenstraße 59, Sta. 65, Hochbauamt der Stadt Viersen
Akte Kreuzherrenstraße 59, Sta. 63, Bauordnungsamt der Stadt Viersen

Literatur
E. Brües "Die Denkmäler der ehemaligen Stadt Dülken" im "Heimatbuch des Kreises Viersen 1981", Hrsg. Oberkreisdirektor Viersen

 

Lange Straße 89 (Dülken)
Wohnhaus Michael Schmitz

Beschreibung der Unteren Denkmalbehörde Viersen (2009):

Das Wohnhaus wurde 1887 von dem Dülkener Druckereibesitzer Michael Schmitz auf dem Keller eines Vorgängerbaus an der Lange Straße errichtet. Das Gebäude ist mit seinem Walmdach als Eckgebäude ausgebildet. Die vorhandene Gasse in das Grundstücksinnere ist bereits 1825 belegt.

Es handelt sich um ein schmales zweigeschossiges Gebäude mit einem Mezzanin, das linksseitig an die Häuserzeile straßenbündig anschließt. Rechtsseitig steht es frei. Mit einer Baubreite von 4,80 m, einer Bautiefe von 11,30 m und einer Traufhöhe von 8,00 m ist es in der geschlossenen Bauzeile der Lange Straße einzigartig und spiegelt den historischen Stadtgrundriss als ein Beispiel in seiner Vielfalt verschiedener Bauformen und –größen wider.

Die straßenseitige Fassade ist im Erdgeschoss aufwendig verputzt. In der Wandfläche aus Quaderputz sind insbesondere die Pilaster als Rahmungen der beiden Fenster augenfällig. Dabei wird der mittlere durch barocke Dekorationen wie Rocaille, Girlanden, Diamantquader und Voluten besonders hervorgehoben. Unterhalb des Fensterbankgesimses werden die Pilaster durch Spiralen und Kanneluren fortgesetzt. Die Zwischenräume sind durch Diamantquader gefüllt. Über den Fenstern befindet sich ein schmales, kräftig profiliertes Putzfeld, in dem sich ehemals womöglich ein Schriftzug befand. Rechts und links daneben schließt ein Mäander-Fries in der Form des Laufenden Hundes an. Der Hauseingang ist architraviert, die Haustür ist weiter innenliegend eingebaut. Den Abschluss findet das Erdgeschoss zum Obergeschoss durch ein mehrfach profiliertes Gesims, das im Bereich der Fenster leicht hervorspringt.

Das Obergeschoss wird durch zweifarbiges Sichtmauerwerk strukturiert. Nach vier Schichten roten Backsteinen ist eine zurückliegende Schicht gelbe Backsteine vermauert. Eine so aufwendige Vermauerung zeugt für eine bewusste Gestaltungsabsicht. Jeweils zwei übereinandergeordnete Fenster im Obergeschoss und Mezzanin gliedern die Fassade vertikal. Die hochrechteckigen Fenster des Obergeschosses waren ursprünglich zweiflügelig mit Oberlicht. Das aufstehende Mauerwerk findet seinen Abschluss in einem Klötzchenfries.

Die Fassaden der freistehenden Längsseite und der Rückseite sind aus rotem Backstein ausgeführt und weisen keinerlei Dekorationen auf. In der Fassade der Längsseite ist jeweils ein Fenster pro Geschoss übereinander angeordnet. Rückwärtig ist im Erdgeschoss ein Zugang zu einem später errichteten Anbau vorhanden. Daneben befindet sich ein Fenster. Das Obergschoss wird wie straßenseitig durch zwei Fenster gegliedert. Das Mezzanin weist dagegen nur ein Fenster auf. Der straßenseitige Klötzchenfries wird rund um das Gebäude geführt und schließt das Backsteinmauerwerk zum Walmdach hin ab.

Das Gebäude ist im Innern nahezu unverändert erhalten geblieben. Der Keller weist im vorderen Bereich ein Tonnengewölbe und einen Natursteinboden auf. Die ersten beiden Steinschichten werden durch großformatige Natursteine gebildet. Aus der baulichen Ausführung des Kellers lässt sich schließen, dass dieser wesentlich älter als das 1886 errichtete Wohnhaus ist.

Im Innern betritt man einen langen, 1,00 m breiten Flur, der bis zur Treppe am hinteren Hausende führt. Rechts werden zwei gleich breite Wohnräume, die unterander verbunden sind, jeweils durch eine Tür erschlossen. Im hinteren Bereich befindet sich, bedingt durch die Treppe ein schmalerer Raum als Küche. Im Obergeschoss sind ebenfalls drei Wohnräume, wobei das vordere die die gesamte Hausbreite einnimmt. Das Mezzanin weist ebenfalls Wohnräume auf.

Neben der Grundrissstruktur sind nahezu sämtliche baufeste Ausstattungsstücke im Original vorzufinden. Die ornamentierten Bodenfliesen im Flur des Erdgeschosses, die Zimmertüren als Rahmenfüllungstüren mit zugehörigem Gewände, die Holztreppe - gerade zweiläufig mit Wendepodest, gedrechselten Geländerstäben und großem Anfangspfosten -, die profilierten Innenklappläden und der Deckenstuck als Mittelrosetten mit Blütenmotiven und Hohlkehlen vermitteln den ursprünglichen Raumeindruck. Ebenso ist das Traggerüst des Dachstuhls aus der Erbauungszeit.

Der Bauherr Michal Schmitz, 1823 in Holzheim bei Neuss geboren, erlernte den Beruf des Buch- und Steindruckers. Nach einer Anstellung in einer lithographischen Anstalt in Kempen, gründete er 1854 in Dülken seine eigene lithographische Antstalt an der Lange Straße. 1879 gliederte er eine Buchdruckerei an. Drei Söhne von acht Kindern waren zunächst im väterlichen Betrieb tätig. Nach dem Tod des Vaters Silvester 1901 übernahm Conrad Schmitz die kaufmännische Leitung des Unternehmens. Sein Bruder Johann arbeitete bis zu seiner eigenen Firmengründung in Viersen als Lithograph im väterlichen Betrieb. Der Bruder Josef Schmitz war hauptsächlich im Außendienst und als technischer Leiter tätig. Die Druckerei und Papierverarbeitung M. Schmitz in Dülken blieb bis ins Jahr 2008 im Familienbesitz.

Das Wohnhaus Lange Straße 89 ist aufgrund seiner weitgehend original erhaltenen Substanz und Ausstattung ein bemerkenswert anschauliches Zeugnis von Architektur und Wohnkultur der Jahrhundertwende. Zudem ist es als ein Beispiel für die Vielfalt von Gebäudetypen und Bauformen des historischen Stadtgrundrisses Dülkens. Als „Point de Vue“ der Augustastraße springt es dem Betrachter dabei besonders ins Auge.

Das Gebäude ist daher bedeutend für Viersen. An der Erhaltung und Nutzung besteht aus wissenschaftlichen, insbesondere orts- und architekturgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Es ist daher gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz NRW ein Baudenkmal.

Quellen
Akte Lange Straße 8
FB 60/II, Bauarchiv der Stadt Viersen

Urkataster aus dem Jahr 1812, Flurkarte V „Dülken“, Beiblatt aus dem Jahr 1825

Literatur
Festschrift „100 Jahre M. Schmitz Dülken Duckerei und Papierverarbeitung“, Dülken 1954

 

Home