Die Baudenkmäler im Kreis Heinsberg: Stadtgebiet Erkelenz (I): Eggerath - Holzweiler

 

Eggerather Hof

Nordwestlich von Holzweiler liegen vier Feldhöfe jeweils allein in der Flur: der zu Katzem gehörende Hauerhof, der Weyerhof (1550 erstmals genannt), der Roitzer Hof (1341) und der bereits 1197 urkundlich erwähnte Eggerather Hof, der eventuell noch der Rodungsphase des 9./10. Jhs. angehört und vielleicht auch noch bis in die frühe Neuzeit eine kleine Siedlung aus mehreren Höfen darstellte. Der Hof selbst war allodialer adliger Besitz (u.a. der Familien Wickrath, Tüschenbroich, Leerodt).

Lit.: Gillessen, S. 55.

Eggerather Hof
Wasserumwehrte vierflügelige Hofanlage mit 1754 datiertem Herrenhaus, ältere Wirtschaftsgebäude z.T. in Fachwerk, Zufahrt über eine Steinbrücke und durch Torbau mit Laterne und Werksteingewänden. Außerhalb des Grabens reicher alter Baumbestand.
Lit.: KD, S. 84; Udo H. Fabesch: Burgen und feste Höfe am Niederrhein. In: Archäologie im Rheinland 1989. Köln 1990,S. 149-154; Hermann Jungbluth: Der Eggerather Hof. In: HK 1959, S. 101-103; Paul Blaesen: Holzweiler, Bd. 1, Köln 1981, S. 89-94; Karl-Josef Schmitz: Geschichte des Eggeratherhofes und seiner Beziehung zum Maas-Schwalm-Gebiet mit neuen Erkenntnissen zur Geschichte Wegbergs. In: HK-Heinsberg 1984, S. 66-75; Lehmann, S. 86-93. – Denkmalpflegebericht: JRD 19 (1951), S. 65.

 

Foto aus: wikipedia


Kleindenkmäler: I. Hof- und Wegekreuz (an der Zufahrt zum Hof): neugotisches Blausteinkreuz mit Korpus, 1904; II. Bilderstock / Fußfall, südöstlich des Hofes, aus Backstein, 1900. – Beide vom damaligen Hof-Pächter Conrad Joerissen anstelle älterer Denkmäler errichtet.
Lit.: Kleindenkmäler, S. 124f., 127; Heinrich Marten: Die Holzweiler Fußfälle. In: HK 1955, S. 43-50.


Hauerhof

Einer der großen Feldhöfe westlich von Holzheim (jedoch zu Katzem gehörig). Nach Gillessen 1467 erstmals urkundlich genannt, ist seine Geschichte großenteils unbekannt. Die Hofgebäude wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und sind kein Baudenkmal.
Lit.: Gillessen, S. 64.

Wegekreuz (beim Hauerhof)
1843 von den Eigentümern des Hauerhofes gestiftetes Kreuz (Trachyt m. Metallkorpus), im gegliederten Sockel Inschrift und darüber Nische m. modernem Relief (Madonna m. Kind).
Lit.: Kleindenkmäler, S. 108.

 

Holzweiler

Aus den vorgeschichtlichen und römischen Funden auf Holzweiler Gebiet ragt ein römischer Weihestein hervor, der 1914 beim Abbruch des romanischen Kirchturms gefunden und dann im neuen Turm vermauert wurde. Als Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung wird ein fränkischer Fronhofverband, möglicherweise bereits mit Kirche, angenommen. Mit Borschemich hat Holzweiler die Erstnennung in der Schenkungsurkunde von König Zwentibold an das Stift Essen 898 gemeinsam. Der Ort entstand wohl zunächst als Reihensiedlung in Nord-Süd-Richtung entlang eines Fließes und wuchs erst später zu einem Haufendorf, in dem sich Verkehrswege aus mehreren Richtungen treffen. Interessant ist die mehrfach belegte Existenz eines „Dorfgrabens“, der zusammen mit anderen „zentralörtlichen“ Elementen (Dingstuhl, Gasthaus) auf einen gewissen vor-städtischen Charakter hindeuten mag. 1935-72 war Holzweiler Hauptort eines gleichnamigen Amtes (mit Immerath, Borschemich und Keyenberg). Im Vergleich zu den Nachbarorten waren Handwerk und Industrie (Seilfabrikation) von Bedeutung.
Lit.: Gillessen, S. 66; Paul Blaesen. Holzweiler. 2 Bde. (= Schriftenreihe der Stadt Erkelenz 5, 7), Köln 1981, Mönchengladbach 1988.

Link: Artikel Holzweiler in wikipedia

Katholische Kirche St. Cosmas u. Damian
Dreischiffige neugotische Backsteinbasilika zu vier Jochen mit polygonalem Chor, Querhaus und Westturm, errichtet nach Plan von Vincenz Statz 1857-61 anstelle eines romanischen Vorgängerbaus; der Turm, entworfen vom Aachener Dombaumeister Joseph Buchkremer, wurde allerdings erst 1914-25 hinzugefügt. 1953 Neugestaltung des Chorraumes durch Heinz Tillmanns, Erkelenz. Aus der teilweise erhaltenen älteren Ausstattung ragen die beiden Glocken aus dem 13./14. und 15. Jh. und das Triumphkreuz (A. 15. Jh.) hervor; außerdem moderne Glasfenster von Ernst Jansen-Winkeln (1969). Einige Gedenk- und Grabkreuze aus dem 19. Jh. tradieren noch den ehem. Kirchhof, auf der Tranchot-Karte ist außerdem östlich der Kirche ein Maar eingezeichnet.
Lit: Pappert, S. 253-260; HBA, S. 659f.; Dehio, S. 479f.; Paul Blaesen: Holzweiler Bd. 2, M’gladbach 1988, S. 144-152, 187-190 (s.a. HK-Heinsberg 1980, S. 35-39; 1985, S. 105-117; 1990, S. 135-141); Lehmann, S. 27-39; Holzskulptur, Nr. 37; Glocken, S. 59-65, 133f; Kleindenkmäler, S. 132f. (ehem. Kirchhof). – Alte Kirche: KD, S. 311f.; Kubach/Verbeek, S. 403.


Holzweiler Hof (Brüderstr. / Kirchplatz)
Sehr große geschlossene Hofanlage unmittelbar nördlich der Kirche. Die Hofstelle ist im 16. Jh. nachgewiesen, vermutlich aber älter, auch wenn es sich nicht um den ehem. Fronhof handelt, der südöstl. der Kirche lag. Im 18. Jh. war der Hof Sitz des Jülicher Amtsverwalters Dackweiler, 1872 wurde er an den Freiherren von Diergardt verkauft; im 20. Jh. bekannte Pferdezucht. – Das zweigeschossige Backsteinwohnhaus mit Blausteingewänden und seitlicher Durchfahrt trägt die Ankerdatierung „1729“, die Wirtschaftsgebäude stammen aus dem 19. u. 20. Jh.
Lit.: Paul Blaesen: Der Holzweilerhof. In: Höfe, Kirche, Zeitgeschehen (= Schriftenreihe d. Heimatvereins d. Erkelenzer Lande 6), Erkelenz 1985, S. 7-22; Lehmann, S. 84. – Denkmalpflegeberichte: JRD 21 (1957), S. 193; JRD 22 (1959), S. 126.



Brüderstr. 3
Backsteinhofanlage, 19. Jh., die Fassade des giebelständigen Wohnhauses verputzt

 

Foto aus: RAD Listenarchiv (1975)



Holzweiler Markt 4
Zweigeschossiges traufständiges Wohnhaus, teilweise Fachwerk, Erdgeschoss verputzt, 1. H. 19. Jh.



Holzweiler Markt 16, ehem. Gasthauskapelle (Georgiuskapelle)
Ein „Gasthaus“ (Armenhospital) hat in Holzweiler vielleicht schon im 14. Jh. bestanden; eine Anf. d. 20. Jh. noch erhaltene Glocke trug die Jahreszahl 1415. 1773 sind Bauarbeiten an einer Kapelle überliefert. 1820 durch Einzug einer Zwischendecke zur Schule umgebaut, heute Wohnhaus, bei dem nur noch die Grundform mit dreiseitigem ehem. Chorschluss an die Kapelle erinnert.
Lit.: KD, S. 312f.; HBA, S. 661; Paul Blaesen: Holzweiler, Bd. 1, Köln 1981, S. 177-180.



Landstr. 39/39a, ehem. Schule
1842-44 errichtetes Schulhaus, backsteinsichtig, sieben Achsen breit gelagert, mit flachem Mittelrisalit, der von einem Dreieckgiebel überfangen wird. Zwei Eingänge sind seitlich des Risalites angeordnet, mit Gewänden und Dreiecksturz aus Blaustein. 1899-1900 erfolgte rechts ein Anbau, der zu den ursprünglich 3 Sälen und 2 Wohnungen einen weiteren Saal und 2 Wohnungen zufügte.
Lit.: Paul Blaesen: Holzweiler, Bd. 2, M’gladbach 1988, S. 225-228; Volksschulen, S. 135-144.



Titzer Str. 4
Straßenbildprägende geschlossene Backstein-Hofanlage, 2. H. 19. Jh., ehem. Wirtschaftsgebäude heute zu Wohnungen ausgebaut.



Titzer Str. 30
Hohes zweigeschossiges Fachwerkgebäude, giebelständig, die Front verblendet, seitlich Eingang mit ornamentiertem Inschriftbalken als Sturz, dat. 1658.



Kleindenkmäler: Drei der nicht mehr vollzählig erhaltenen Fußfälle und Heiligenhäuschen sind als Baudenkmäler geschützt: Friedrich-Gelsam-Str., In der Weidwäsch und Landstr./Ecke Im Grünfeld. – Nicht in die Denkmalliste eingetragen, jedoch selbstverständlich schon im Denkmälerinventar 1904 verzeichnet, ist das 7 m hohe Hagelkreuz aus Trachyt, 15. Jh., westlich des Ortskerns. Bei der Kirche außerdem ein Kriegerdenkmal von 1936: Bronzefigur eines stehenden Soldaten mit gesenkter Fahne auf mannshohem, travertinverkleidetem Sockel. Außerhalb des Ortskerns der Friedhof, frei liegend und durch Backsteinmauer eingefriedet, mit einem Friedhofskreuz von 1908 und einigen guten Grabmälern aus dem frühen 20. Jh.
Lit.: Kleindenkmäler, S. 126-129; Heinrich Marten: Die Holzweiler Fußfälle. In: HK 1955, S. 43-50. – Zum Hagelkreuz: KD, S. 313; Kleindenkmäler, S. 120-122; HBA, S. 661; Paul Blaesen: Holzweiler, Bd. 1, Köln 1981, S. 180-182; JRD 19 (1951), S. 65 (Denkmalpflegebericht).


weiter: Immerath - Keyenberg
zurück: Einleitung Baudenkmäler in Erkelenz