Die Baudenkmäler im Kreis Heinsberg: Stadtgebiet Erkelenz (I): Erkelenz Stadterweiterung

 

Erkelenz – Stadterweiterung

Aachener Str. 50, Amtsgericht
1880/81 nach Plänen des königlichen Garnisonsbauinspektors Hauck in Formen italienischer Renaissance als preußische Bezirkskommandantur erbaut, ab 1904 Amtsgericht. Urspr. nur der dreiachsige Mittelrisalit und die jeweils rechts und links anschließenden beiden Achsen, später beidseits weitere Achsen, ein Seitentrakt links und ein Anbau rechts mit halbrundem Bindeglied in angepassten Formen zugefügt. Zweigeschossiger Putzbau (Risalit m. Mezzanin) mit kräftigem Kranzgesims und flachem, kaum sichtbaren Dach. Im Innern originales Treppenhaus und originale Hängewerkkonstruktion des Daches mit verzierten Balkenköpfen.


Aachener Str. 75, Neumühle
Windmühle, errichtet 1799 von Peter Blank (Initialen PB und MB als Maueranker). Ende des 19. Jhs. stillgelegt, 1991 restauriert und mit neuer Haube und Flügeln versehen. Zugehörig eine vierflügelige Hofanlage aus Backstein u. Blaustein, mit zweigeschossigem Wohnhaus.
Lit.: Hans Vogt: Niederrheinischer Windmühlenführer, Krefeld 1989, S. 231; Susanne Sommer: Mühlen am Niederrhein, Köln 1991, S. 261.



Aachener Str. 90
Repräsentatives Wohnhaus, nach mdl. Überlieferung und Inschrift in einer ehem. Wetterfahne als „Villa Augusta“ für den Kreisschornsteinfegermeister errichtet. Zweigeschossige Backsteinputzfassade mit asymmetrischem Schweifgiebel und ehem. Eckturmhaube (im Zweitem Weltkrieg Krieg verloren). Originale Innenausstattung mit Stuckierung, Treppe, Ornamentfliesen und Deckenmalereien im Flur erhalten.



Brückstr., Alter Friedhof
Gemäß den neuen hygienischen Vorschriften wurde 1825 der Kirchhof aufgelöst und außerhalb des Ortskerns ein neuer Begräbnisplatz eingerichtet. Erweiterungen 1864 und um 1880; 1969 wurde der Friedhof geschlossen. Innerhalb der von einer hohen Backsteinmauer mit zwei Portalen eingefriedeten Anlage, im Grundriss rechtwinklig mit zwei zentralen Hochkreuzen von 1827 und 1884, ist noch eine Fülle von ortsgeschichtlich und teilweise auch künstlerisch wertvollen Grabstätten des 19. und 20. Jhs. erhalten, die den Alten Friedhof zu einem Kleinod historischer Sepulkralkultur im Rheinland machen.
Lit.: Dokumentation der Grabmäler (Stadt Erkelenz, RhAD, 1990er Jahre), im Archiv d. RhAD; Kleindenkmäler, S. 73-76; Josef Lennartz: Die Erkelenzer Friedhöfe. In: HK 1969, S. 108-117.



Brückstr. 74
1904 errichtetes zweigeschossiges Wohnhaus mit Mansarddach, traufständig mit großem zwerchhausartigen Giebel zur Straße; rechts angebaut, an der linken Seite der durch eine Säule betonte Eingang. Innen große Teile der originalen Ausstattung erhalten, auf der Rückseite eine polygonale hölzerne Gartenlaube.



Burgwall 1
Fachwerkkate, im Kern 18. Jh., mit jüngeren Veränderungen.



Buscherhof 19, Buscherhof
Vierflügeliger Backsteinhof mit zwei Wohnhäusern, Bausubstanz im Kern 19. Jh. An dieser Stelle 1309 ein propsteil. Manngut des Aachener Marienstiftes vor den Toren der Stadt.
Lit.: Gillessen, S. 54; Städteatlas, S. 1.



Buscherhof / Buscherkamp, Wegekreuz
Sandsteinkreuz mit Metallkorpus, 1856. 1956 mit einer umgebenden halbrunden Ziegelmauer zum Kriegerehrenmal umgestaltet.
Lit.: Kleindenkmäler, S. 38.



Kölner Str. 57
Zweigeschossiges Eckhaus am Ende der Kölner Straße, um 1900 mit späthistoristischer Putzfassade.



Neusser Str., Wasserturm
Die nach Ansiedlung der Firma von Anton Raky gewachsenen Steuereinnahmen nutzte die Stadt u.a. zur Modernisierung ihrer Infrastruktur. Als erstes Unternehmen erfolgte 1902/03 der Ausbau der Wasserversorgung durch zentrale Wasserleitung und Kanalisierung der Altstadt. In diesem Zuge entstand auch der Wasserturm im neuen Industriegebiet, mit verputztem, sich nach oben verjüngendem Schaft, auf dem ein 200 m³ großer Intze-Wasserbehälter aufsitzt (Ausführung: Baugeschäft W. Meissen, Erkelenz, u. Bauunternehmer Blinten, Mülfort). 2004 außer Nutzung genommen, stellt er neben dem Lambertiturm die zweite Landmarke der Kernstadt dar, mit großer Fernwirkung insbesondere in das südliche Umland.
Lit.: Friedel Krings: Der Wasserturm der Stadt Erkelenz. In: HK-Heinsberg 1983, S. 103-107.



Oestricher Str., Karlskapelle
966 wird Oestrich als ein Mittelpunkt des an das Aachener Marienstift übergegangenen Fronhofverbandes genannt. Das ehemalige Straßendorf ist heute im Weichbild von Erkelenz aufgegangen. – 1452 wurde in der Nähe des Ziegelweihers eine Kapelle mit dem seltenen Patrozinium zu Ehren Karls des Großen errichtet. Die heutige Kapelle entstand 1844 als schlichter Backsteinbau mit Schieferdach und oktogonalem Dachreiter über dem Eingangsgiebel. Innen u.a. Figuren der 14 Nothelfer (18. Jh.?).
Lit.: HBA, S. 650; Kleindenkmäler, S. 53f., Glocken, S. 43.

 


Oestricher Str. 16
Ehemalige Hofanlage im alten Ortskern von Oestrich; zweigeschossiges Wohnhaus mit anschließendem Torhaus unter gleichem First. Die Bausubstanz, z.T. noch Fachwerk, dürfte im Kern auf die Zeit um 1800 zurückgehen. Die straßenseitige Fassade wurde um 1900 neu gestaltet..
Das Innere ist quererschlossen mit zur Rückseite durchgehendem Flur und rechtwinklig dazu seitlich angeordneter Stiege. Im Flur- und Stiegenbereich sind ornamentierte Bodenfliesen erhalten. Die Zimmer des EG und OG zeigen Kölner Balkendecken. Unter dem Wohnteil ist ein Gewölbekeller vorhanden.



Roermonder Str. 28
Anf. d. 20. Jh. errichtete Villa, zweigeschossig, verputzt, mit Zierfachwerk und Mansarddach.



Tenholter Str. / Goswinstr., Schächerhäuschen
Nach vorne offener, verputzter Backsteinbau mit Pultdach, an der alten Holztür eine Inschrift 1715; innen Kruzifixus zwischen Schächerfiguren. 1995 nach Brandanschlag restauriert.
Lit.: Kleindenkmäler S. 51; HBA, S. 650.

 


Theodor-Körner-Str. 13, 17, 19, 21, 23
Diese zweigeschossigen Wohnhäuser mit späthistoristischen Putzfassaden sind Bestandteil einer noch weitgehend komplett erhaltenen Reihenhauszeile an einer typischen Stadterweiterungsstraße, in attraktiver Lage gegenüber dem Stadtpark. Die Formensprache der sukzessive um 1905 entstandenen Häuser ist bei etwa gleicher Grundfläche malerisch variiert (z.B. Fenster- u. Zwerchhausausbildungen, Erkeranordnungen etc.). Ausstattung der Bauzeit teilweise erhalten.



Theodor-Körner-Str. 35
Zweigeschossiges Wohnhaus, 1927 nach Entwurf des Architekten Corais für Oberpostsekretär Kelleter errichtet. Verputzter Baukörper mit hohem abgewalmten Dach, Eingang und Treppenhaus sind halbrund vorgezogen. Zeittypische Formensprache der Zwanziger Jahre, u.a. mit Bänderungen an den Fenstergewänden, Eckstellung von Fenstern und expressionistischer Säulenstellung am Eingang. Originale Eingangstür, auch im Inneren Ausstattung der Bauzeit erhalten.



Wilhelmstr. 21
Zweigeschossiges Backsteinwohnhaus mit abgewalmten Dachflächen, errichtet um 1935 als Abschluss einer älteren Zeile zweigeschossiger Reihenhäuser. Im Detail Formen der Backsteinmoderne aufgreifend, z.B. mit Bänderungen an der Fassade und v.a. einem voluminösen Eckerker mit spitzem Zeltdach und umlaufendem Fensterband, so dass der Bau in einer Biegung der Alleestraße hohe straßenraumprägende Wirkung besitzt.



Ziegelgasse 20
Ehem. Firnisfabrik, errichtet im 2. Drittel d. 19. Jh.; Fabrikraum aus vier Jochen mit Gurtbögen gegliedert, daneben ein Kamin mit quadratischem Grundriss.

 

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