Die Baudenkmäler im Kreis Heinsberg: Stadtgebiet Erkelenz (I): Immerath - Keyenberg

 

Immerath

Im Zusammenhang mit Besitz der Propstei Millen wird Immerath 1144 erstmals urkundlich erwähnt. Als Rodungsort wahrscheinlich nicht wesentlich früher entstanden, liegt er am Kreuzungspunkt zweier überörtlicher Wege, entlang derer sowie an einem zusätzlichen Querstrang (Freiheitstraße) er sich entwickelt hat. Auf Höhe der Kirche verbreitert sich der Straßengrundriss angerartig. Ein ehemals nordöstlich der Kirche gelegener Herrensitz ist wohl spätestens im 19. Jh. untergegangen. Das benachbarte Haus Pesch war immer eng mit Immerath verbunden, seine Besitzer hatten u.a. die Patronatsrechte über die Pfarrkirche inne. Die Kirche mit ihrer weit in die Landschaft ausstrahlenden Doppelturmfassade ist heute der bauliche Mittelpunkt des Ortes, außerdem das aus einem 1901/02 gegründeten Kloster hervorgegangene Krankenhaus mit Kapelle an der Lützerather Straße. Über dessen Denkmalwert, bei der Listeninventarisation der 1970er Jahre verneint, würde man heute sicher noch einmal neu nachdenken können, vielleicht auch über den ehem. Zehnthof (Fuhrmannshof) gegenüber der Kirche. Als denkmalwert eingestuft, jedoch nicht in die Denkmalliste eingetragen wurden u.a. die Grabstätten Krapoll und Helpenstein auf dem Friedhof. .
Lit.: Gillessen, S. 69; Mackes, S. 125-141.

Link: Artikel Immerath in wikipedia

Kath. Kirche St. Lambertus (Im Jagdfeld)
Eine im Kern romanische, später mehrfach erweiterte Kirche – im Liber valoris (um 1300) bereits als Pfarrkirche bezeichnet – wurde zugunsten des Neubaus 1888-1891 abgebrochen. Nach einem Entwurf des jungen Kölner Architekten Erasmus Schüller, der noch während der Bauarbeiten verstarb, entstand eine für die Region ungewöhnliche neuromanische, mit Weiberner Tuff verkleidete und mit Schiefer gedeckte Basilika, dreischiffig mit Doppelturmfassade, Querhaus und halbrunder Apsis. Neben der weitgehend vollständigen Ausstattung der Bauzeit sind v.a. bemerkenswert drei Glocken von 1496, 1512 und 1670 sowie ein spätgotisches Holzkruzifixus (um 1400).
Lit.: HBA, S. 663f.; Dehio, S. 496; Mackes, S. 345-354; Kaspar Rick: Zur Baugeschichte von St. Lambertus in Immerath. In: HK 1960, S. 83-87; Johannes Gormanns / Paul Blaesen: Zur Baugeschichte der Pfarrkirche Immerath. In: Höfe, Kirchen, Zeitgeschehen (= Schriftenreihe d. Heimatvereins d. Erkelenzer Lande 6), Erkelenz 1985, S. 83-94; Lehmann, S. 40-54; Glocken, S. 66-70, 136-138; KD, S. 317; Kleindenkmäler, S. 140. – Alte Kirche: Kubach/Verbeek, S. 419f.

 

Foto aus: Kulturlandschaft Erkelenzer Börde (1990)


Freiheitstr. 61; Lützerather Str. 24, 30; Pescher Str. 22, 24 (Josefshaus), 35; Rurstr. 17, 27
Ortsbildprägende Hofanlagen an den alten Haupt-Straßen des Ortes, aus der Mitte 18.-Mitte 19. Jh.
Lit.: Mackes, S. 136-139; Kleindenkmäler, S. 147 (Josefsstatue an Nr. 24).

 

Foto: Pescher Str. 22, 24



Jackerather Str. 8, ehem. Hofanlage Krapoll
Stattliche ehemalige Hofanlage, die heutigen Gebäude durch Keilstein über dem Tor 1869 datiert, die Hofstelle (ehem. Schillings) aber älter.
Die Familie Krapoll ist die wohl bedeutendste Familie der jüngeren Geschichte Immeraths von weit über den Ort hinaus gehender Ausstrahlung. Sie stellte u.a. von 1809 bis 1933 (mit nur kurzer Unterbrechung 1827-30) die Bürgermeister der Gemeinde. Der Bauherr der überlieferten Hofanlage, Hermann-Josef Krapoll, Bürgermeister 1831-1877, wurde außerdem 1855 Mitglied des preußischen Landtages. Zuletzt war Wilhelm Krapoll 1910-33 Ehrenbürgermeister von Immerath. Nach ihm wurde das Haus benannt, nachdem es 1965 von der damaligen selbständigen Gemeinde Immerath im Andenken an die Familie erworben wurde.
Im zweigeschossigen Wohnhaus noch prägende Ausstattung der Bauzeit erhalten (Treppenhaus, Stuckdecken, Ornament-Bodenfliesen etc.).
Lit.: Mackes, S. 138.;
 



Immerather Mühle
1780 als landesherrliche Turmwindmühle außerhalb des Ortes, an der Straße nach Jackerath, errichtet. Nach Stilllegung wurde sie 1959 von der Kommune erworben und anschließend restauriert (1977  Bau einer neuen Haube). – Bei der Mühle 1909 ein Bahnhof (an der Strecke Mönchengladbach-Jülich) angelegt.
Lit.: Mackes, S. 316; Hans Vogt: Niederrheinischer Windmühlenführer, Krefeld 1989, S. 233; Susanne Sommer: Mühlen am Niederrhein, Köln 1991, S. 269; Lehmann, S. 95-100; Heinrich Marten: Die Immerather Windmühle. In: HK 1954, S.89-91

 

Foto aus: wikipedia.



Kleindenkmäler: I. Fußfallstationen: ehemals um den Ort herum verteilt, heute überwiegend in neuer Position sind sieben Fußfallstationen, die der Vikar Johann Schillings 1784 stiftete. Die Stationshäuschen sind aus Blöcken aus Liedberger Sandstein zusammengesetzt, die Giebelkreuze fehlen; II. Unkelbachstr. / Im Jagdfeld, Hagelkreuz: laut Inschrift 1686 errichtetes Blausteinkreuz mit Korpus, im Sockel mit Muschelnische.
Lit.: Kleindenkmäler, S. 128f., 143-145.


Keyenberg

Straßendorf entlang zweier Wege, die vom zentralen Markt aus nach Osten (Borschemich) bzw. Süden (Holzweiler) führten. Haus Keyenberg liegt etwas abseits der Siedlung an der Köhm; außerhalb der heutigen Ortslage befand sich mit der Wasserburg Patteren ein weiterer, 1642 jedoch untergegangener Herrensitz (Bodendenkmal). – Namensforschung und legendäre Überlieferung lassen Keyenberg als eine der ältesten Siedlungen in der Börde erscheinen. Nach Mackes entwickelte sich der Ort aus einem Hofverband, der 893 in einem Besitzverzeichnis der Abtei Prüm verzeichnet ist und demnach einen befestigten Herrenhof, eine Kirche und zehn kleinere Gehöfte umfasste. Die frühe Grundherrschaft der Abtei Prüm ging im Mittelalter an die späteren Landesherren, das Herzogtum Jülich über.
Lit.: Gillessen, S. 71; Mackes, S. 143-169.

Link: Artikel Keyenberg in wikipedia

Katholische Kirche Hl. Kreuz
Analog zur Ortsgeschichte werden auch die kirchlichen Anfänge in fränkischer Zeit vermutet. Das Prümer Urbar nennt 893 einen Priester, im Liber valoris ist Keyenberg um 1300 als Pfarre genannt. 1330 wurde sie dem Kölner Stift Maria im Kapitol inkorporiert, das bis zu seiner Aufhebung die Pfarrer stellte. Eine Kirche aus dem 11. Jh. (im Denkmälerinventar 1904 noch ausführlich beschrieben) wurde 1913 abgebrochen, als man einen 1866 mit Chor und Querhaus begonnenen Neubau durch Langhaus und Turm vollendete (Entwurf 1866: Friedrich von Schmidt, Kölner und später Wiener Dombaumeister, 1912/13 abgeändert durch Heinrich Renard). – Dreischiffige neugotische Backsteinhallenkirche mit seitlich angestelltem Turm i. SW, die Chorjoche begleitet von fünfseitigen Kapellen. Von der Ausstattung bemerkenswert v.a. eine roman. Weiheinschrift-Tafel (11. Jh.?) sowie eine Glocke von 1455, mehrere Grabplatten (17./18. Jh.) u. Holzbildwerke (16. Jh.), außerdem neugotische Altäre u. Stahlhuth-Orgel (1886). In der Außenwand d. Kirche eine Grabplatte d. Fam. Zours v. 1662 eingemauert.
Lit.: Heinz Dohmen: Kirchenbauten des Erftraumes im 19. Jahrhundert. Diss. Aachen 1974, S. 165f.; HBA, S. 666f.; Dehio, S. 544; Mackes, S. 354-377; Wilhelm Corsten: Die Weihinschrift in Keyenberg. In: HK 1969, S. 133f.; Carl-Wilhelm Clasen: Pfarrer Hammels und der Neubau der katholischen Kirche in Keyenberg. In: HK 1970, S. 74-89; Holzskulptur, Nr. 39-42; Glocken, S. 74-79, 139; Orgelgutachten, F.J. Vogt 1990, im Archiv d. RhAD; Kleindenkmäler, S. 182 (Grabplatte Zours). – Alte Kirche: KD, S. 319-322; Vorromanische Kirchenbauten. Bearb.: Friedrich Ostwald u.a., München 1966ff., S. 136; Kubach/Verbeek, S. 457f. – Denkmalpflegeberichte: JRD 25 (1965), S. 98; JRD 34 (1992), S. 206f.


Haus Keyenberg (Zum Riet)
Möglicherweise überliefert Haus Keyenberg den Standort des befestigten Prümer Herrenhofes. Im 12. Jh. war es Sitz eines gleichnamigen Geschlechts, vom 16.-18. Jh. landtagfähiges Rittergut. Im Laufe seiner Geschichte war es in Besitz zahlreicher Familien, u.a. im 16./17. Jh. derer von Zours. 1832 Verkauf an die Bürgermeisterfamilie Velder, deren Nachfahren es heute noch besitzen. – Zweiteilige Wasserburganlage, das zweiflügelige Herrenhaus mit vorspringendem Eckturm nach Einsturz 1657 durch die von Hanxler neu errichtet (Vorgängerbauten sind archäologisch erschlossen), die Vorburg bildet ein unregelmäßiges Fünfeck.
Lit.: Dehio, S. 544; Mackes, S. 149-158 (s.a.: HK-Heinsberg 1978, S. 49-54); Georg Senker: Die Motte Keyenberg. In: HK-Heinsberg 1980, S. 21-23; Lehmann, S. 59-69.



An St. Kreuz 1, Alte Schule
Zweigeschossiges Backsteingebäude aus der 1. H. d. 19. Jh., sieben Achsen breit gelagert mit flachem Dreieckgiebel über Mittelrisalit, Krüppelwalmdach, Türgewände u. Fensterbänke aus Blaustein.
Lit.: Mackes, S. 437-441; Volksschulen, S. 173-186. – Denkmalpflegebericht: JRD 34 (1992), S. 206, 208.



An St. Kreuz 6
Dreiflügelige Hofanlage (um 1800?), Fachwerk und Backstein, z.T. verputzt.

 

Foto aus: RAD Listenarchiv (1981)



An St. Kreuz 10, Pfarrhaus
Zweigeschossiges Backsteinhaus, erbaut 1860/61, über der Tür Tafel mit Chronogramm, im Giebel e. Nische mit Marienfigur.
Lit.: Kleindenkmäler, S. 181 (Marienfigur).



Holzweiler Str. 22, 38
Zwei Fachwerk-Giebelhäuser aus dem 17. Jh., die Fassaden verputzt (Nr. 22) bzw. im EG backsteinverkleidet (Nr. 38).

 

Foto: Holzweiler Str. 38



Holzweiler Str. 31, 33, 35, 37/39
Straßenraumprägende Abfolge von Backsteinhofanlagen aus dem 19. Jh., mit zweigeschossigen traufständigen Wohnhäusern und Durchfahrten. Bei Nr. 31 nur die Fassade erh., Nr. 37/39 (Ringelkamps- od. Helpensteinhof, dat. 1863) mit neugotischen Zierelementen u. Treppengiebel am mittigen Zwerchhaus. Gegenüber Reste einer parkähnlichen Gartenanlage m. Einfriedung.
Lit.: Mackes, S. 169.



Keyenberger Markt 11, Claessen- od. Schmitzhof
Große geschlossene Hofanlage in ortsbildprägender zentraler Lage, vor 1832 im Besitz d. Fam. Velder, davor im 18. Jh. der Fam. Claessen. Die heutigen Gebäude dat. 1819, nach außen backsteinsichtig m. Blausteingewänden.
Lit.: Mackes, S. 167-169; Lehmann, S. 84f.



Plektrudisstr. 29
Hofanlage am Rande des Ortes, in Ankersplinten dat. 178...

 

Foto aus: RAD Listenarchiv (1975)



Kleindenkmäler: I. Borschemicher Str., Wegekreuz, 1852, bemalter Blaustein mit Korpus und Sockelnische; II. Holzweiler Str. / Keyenberger Markt, Wegekreuz („Marktkreuz“), Holzkreuz mit Metallkorpus auf fialenartigem Unterbau (1865/1955); III. Holzweiler Str. / Poststr., Natursteinkreuz m. Metallkorpus in schmiedeeiserner Umfriedung (1909); IV. Holzweiler Str. (L 112, außerhalb d. Ortes), aus Werksteinen zusammengesetztes Heiligenhäuschen aus dem 18. Jh.; V. Heiligenhäuschen (Kirchhof): In die Kirchhofmauer eingebaut ein verputztes Heiligenhäuschen vom Ende d. 19. Jh. – Nicht in die Denkmalliste eingetragen ist das Kriegerehrenmal (1934/56) vor dem Pfarrhaus.
Lit.: Kleindenkmäler, S. 170-173, 180f

 

Foto: Heiligenhäuschen (Kirchhof).


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